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JÁNOS BALÁZS IST 70 JAHRE ALT
ANDRÁS MARTINKÓ
Institut für Literaturwissenschaft der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, Budapest
Ich entschließe mich nicht gern, Artikel solcher Art zu schreiben, da man es schwer vermeidet, aus liebevoller Voreingenommenheit zur Verschönerung verführt zu werden. Diesmal — aus persönlichen Gründen, die hier nicht ausführlich erörtert werden können — habe ich mich doch dazu entschlossen (ich habe es auf mich genommen, würde der ungarische Kulturmensch von heute sagen). „Hätte ich es lieber nicht getan!" — seufze ich jetzt, nachträglich, zusammen mit János Arany: diesem Lebenswerk in die Augen schauend, kommt es mir vor, als ob eine vielhändige, vielfüßige, vielköpfige Schiwa unergreifbar vor mir tanzte. Nahm ich einen Faden in die Hand um ihn aufzuwickeln: da neckten mich auf einmal zehn andere Faden, so, daß ich schließlich nur eine hin und her springende Laufbahn aufzeichnen konnte, obzwar es darin doch Logik, Konsequenz und organisches Zusammengehören gibt. Ein anderer störender Umstand bestand darin, daß János Balázs die, von der Philosophie bisher geleugnete Ubi-quität, zur selben Zeit an mehreren Orten zu sein, verwirklichen konnte. Z. B. steht geschrieben, daß er vom Jahre 1942 Gymnasiallehrer in Budapest ist, aber gleichzeitig befindet er sich auch in Leipzig und hält Vorlesungen im Eötvös-Kollegium und auf der Budapester Universität. Von 1945 ist er Ministerialbeamter, aber das einfachste ist, ihn in Zürich oder in Genf zu suchen. Später verrichtet er seine Arbeit als Universitätsprofessor in Budapest, aber gleichzeitig ist er Gastprofessor der Universität von Rom, und dort verrichtet er auch seine Arbeit. Dann sucht man ihn hier und dort — wo er eben sein sollte, — er aber ist irgendwo im Ausland; auf Kongressen, Symposionen oder Konferenzen, hält Vorlesungen, schreibt, redigiert und publiziert Artikel in der Sprache, die eben gewünscht wird.
Das beste Medikament gegen Sonderbarkeit ist die Alltäglichkeit. Ich machte mich ans Werk und schrieb die Würdigung mit der alltäglichsten Linearität und überließ es einem jeden, die philosophisch-ontologischen Gegensätze nach Belieben aufzulösen.
Solche Würdigungen fangen seit Jahrtausenden mit der Geburt und der Kindheit an, werden mit den unteren, mittleren und höheren Studien, der Tätigkeit des reifen Mannes und der Entfaltung des älteren Menschen