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DIE PHÁNOMENOLOGIE DES KITSCHES ISTVÁN HERMANN Lehrstuhl für Philosophiegeschichte, Philosophische Fakultát der Loránd Eötvös Universitát Budapest Die geschlichtlichen Charakteristiken des Kitsches - alsó der Umstand, daB die Möglichkeit des Kitsches mit der Entwicklung der bürgerlichen \\relt zusammen entstand, und diese Möglichkeit sich mit der Dekadenz der bürgerlichen Welt realisierte - enthalten bereits ein wichtiges pliánomenologisches Element. Das námlich, daB der Kitsch in jedem Fali an die Möglichkeiten, und zwar an die prinzipiell unbegrenzten menschlichen Möglichkeiten gebunden ist. Diese Eigenart der Natúr des Kitsches bedeutet zugleich, daB zur Entstehung des Kitsches eine relativ hohe gesellschaftliche Entwickeltheit nötig ist. Dies wird auch nach dadurch unterstriclien, daB der Kitsch dann entsteht, wenn das von Walter Benjámin Aura genannte Médium aufhört. Spáter wird, eben im Zusammenhang mit dieser Phánomenologie, davon, die Rede sein, daB der Kitsch dagegen eine Scheinaura schafft, und ein wichtiger Zug seiner Unwahrheit ist eben die Setzung, die künstliche und gewaltsame Herstellung dieser Scheinaura. Auf áhnliche phánomenologische Elemente weist andererseits auch der Umstand hin, daB hinter dem Kitsch als Künstler und als Rezeptor der Kitsch-Mensch steht, der auf der Stufe der Anschauung steckenbleibt, der von den Erscheinungen alsó lediglich Bruchstücke des Scheins zu begreifen vermag. DaB hinter dem Kitsch stets die reduktive Logik, die Methode, welche die Folgerung auf Ursache und Wirkung reduziert, und infolgedessen der Relativismus der Stellungsnahme, die ontologische Setzung abstrakter Gegensatzpaare zu erkennen ist, lenkt die Überlegung ebenfalls in diese Richtung. Das alles kennzeichnet den Kitsch, doch sind diese Motive noch nicht Momente der Kunst, bzw. der Esthetischen oder scheinásthetischen Spháre, sondern scheingeschichtliche, bzw. scheinphilosophische Momente. Was die ásthetische Spháre anbelangt, dort behált der Kitsch diese Merkmale nicht nur bei, sie werden sogar noch markant er, in der ásthetischen Spháre selbst entsteht jedoch auf eine der obigen áhnliche Weise ein ásthetisch geartes Verhalten und eine ásthetisch geartete Methodik, die zur unmittel* Ausschnitt aus dem Band A giccs" (Der Kitsch"), Budapest, 1971.