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VORWORT
Die Studienarbeit an den Ingenieurschulen für Chemie der Deutschen Demokratischen Republik wurde bisher dadurch erschwert, daß für viele Studienfächer keine stofiplangebundenen Lehrbücher zur Verfügung standen. Aus diesem Grunde wurde auf Anregung des ehemaligen Ministeriums für Schwerindustrie dieses Lehrbuch der Anorganischen Chemie für die Ingenieurschulen für Chemie entwickelt. Es entstand aus den Unterlagen der Vorlesxmgen, die wir von 1947 bis 1953 an der Fachschule für Chemie Halle und von 1953 bis jetzt an der Ingenieurschule für Chemie „Friedrich Wöhler" Leipzig gehalten haben. Der Stolfumfang und die Stoff-ghederung entsprechen den z. Z. bestehenden Lehrplänen der Ingenieurschulen für Chemie. Neben dem Inhalt der Grundvorlesung sind auch einige spezielle Kapitel berücksichtigt, wie sie in den Ingenieursemestern, d. h. im 3. Studienjahr, behandelt werden.
Die Vorlesung der anorganischen Chemie wird auf der Grundlage des Atombaues und des Periodensystems der Elemente aufgebaut. Deshalb werden diese Kapitel im Gegensatz zu anderen Fachbüchern ziemlich frühzeitig imd ausführlich dargestellt. Weiterhin werden einige grundlegende Begriffe und Zusammenhänge (z. B. die wichtigsten Stoffklassen und ihre Eigenschaften, die chemische Bindung, der Oxydations- und Reduktionsbegriff u. a.) schon im 1. Hauptteil besprochen. Die chemische Bindung wird vom Standpunkt der Elektronentheorie der Valenz betrachtet unter Verwendung der valenztheoretischen Begriffe nach Prof. Seel. Diese Maßnahmen werden dadurch gerechtfertigt, daß der überwiegende TeU der Ingenieurschüler vor dem Fachschulstudium eine Berufsausbildung als Chemiefacharbeiter absolviert hat.
Nach diesem allgemeinen Teil werden die Hauptgruppenelemente entsprechend der Gliederung des Periodensystems gruppenweise behandelt. Jeder einzelnen Gruppe wird eine Übersicht über die wichtigsten physikahschen und chemischen Eigenschaften der Elemente vorangestellt. Auf diese Weise werden von vornherein die gesetzmäßigen Zusammenhänge zwischen den Eigenschaften der Elemente einer Gruppe dargelegt, und das nachfolgende Studium der einzelnen Elemente wird erleichtert.
Da die anorganische Chemie eine Grundlage der chemischen Technologie bildet und vor aUem an den Ingenieurschulen für Chemie nicht isoliert davon betrachtet werden kann, nehmen die wichtigsten großtechnischen Verfahren der chemischen Industrie innerhalb der Elementenkunde einen verhältnismäßig breiten Raum ein. Dies gilt z. B. für die technische Schwefelsäuregewinnung, die Ammoniaksynthese nach Habek-Bosoh, die Erzeugung von Aluminium und die AlkaKchloridelektrolyse. Physikalisch-chenüsche Grundlagen werden nur in unbedingt notwendigem Umfang behandelt. Mit diesen Grundlagen befaßt sich zusammenhängend der 2. Band der „Anorganischen Chemie".
Zur Verbesserung der Verbindung zwischen Theorie und Praxis sind schon in die dritte Auflage des Lehrbuches Werksaufnahmen aus den verschiedenen Chemiebetrieben aufgenommen worden. Dabei wurde darauf geachtet, daß die gezeigten