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Huldigung eines Freundes
Die Fotografien der Werke Pevsners sind auf meinem Tisch ausgebreitet. Sie vermitteln den Eindruck prüfender Betrachtung, eines klaren Urteils und eindringlicher Geduld, Eigenschaften also, die den Schöpfer dieser Werke in die tiefsten Tiefen seines Ich hinabgeführt haben, damit er aus dem Nichts jene Formen hervorzuholen befähigt wäre, die seinen Namen unsterblich machen. Pevsner versteht es, seinen Werken den absoluten Charakter jener Dinge einzuimpfen, die in sich selbst vollkommen sind; sie bedürfen keines weiteren Kommentars. Und es ist denn auch nicht nur Demut, sondern noch mehr Scheu, die meine Feder lenken.
Es ist schon lange her, dass ich zum ersten Mal ein Werk von Pevsner zu Gesicht bekam. Beim Anblick dieser Figur mit ihren blinkenden Metallkonturen. so schön und so neuartig, traf mich ein Schock. Indessen dauerte es nicht lange, bis sich der durchs Auge vermittelte Eindruck in ruhiges Nachdenken verwandelte, das — so schien es mir — endlos sein müsse, als plötzlich Pevsner selbst neben mir stand.
Bei diesem kurzen und unverhofften Zusammentreffen konnte ich ihm kaum mehr sagen, als dass für mich in der Kunst allein diejenigen wirklich zählen, die sich mutig ins Unbekannte vorwagen. Gleichwohl bedeutete dies den Beginn einer herzlichen Freundschaft, die ohne Trübung nun seit mehr als zwanzig Jahren andauert.
Obwohl ich glaube, sein einziger Vertrauter zu sein, habe ich niemals die Gründe für seine merkwürdige Abneigung gegen jede Ausstellung seiner Werke erfahren können.
Handelt es sich hier um jene weitverbreitete Form des Widerwillens gegen das Vorzeigen des kostbarsten seiner Besitztümer, oder soll man vielmehr darin das Anzeichen einer ungerechtfertigten, von Pevsner aber dauernd und lebhaft empfundenen Besorgnis sehen, nicht die vollkommene Vollendung erreicht zu haben, nach der er strebte ?
Pevsner verachtet Erfolg, Ehrungen, Geld; es bedeutet ihm wenig, dass die Schönheit seiner Werke der Gunst der grossen Masse entraten muss. Worum er sich stets bemüht hat, ist dieses: mit grösster Genauigkeit seine geistigen Vorstellungen zum Ausdruck zu bringen und noch mehr der Beherrscher seiner Hände zu sein und dadurch Werke schaffen zu können, die in absoluter Weise den unerbittlich strengen, vorher definierten Ansprüchen genügen. Talent, Mut, Glaube : das ist Pevsner.
Sein Name beschwört schon heute nicht nur die Vorstellung bewundernswerter Werke, sondern ein historisches Ereignis im Leben der Formen überhaupt. Die Schöpfungen Pevsners sind rein, heilsam, strahlen Güte aus; sie haben eine belebende Wirkung und stiften Ordnung, Freude und Glück. Ich habe — im Musée d'art moderne während der Austeilung von 1956 — verschiedentlich Menschen vor ihnGn beobachtst, die einer Musik zu lauschen schienen — einem Konzert oder einer Kantate Johann Sebastian Bachs —, und die dabei offenbar ein ruhiges und würdiges Behagen empfanden, eine gedämpfte Bewunderung. Diese merkwürdig reinen Harmonien, diese süssen und gleichzeitig kraftvollen Klänge, diese weitausholenden Modulationen, dieses kristallklare Rauschen, das Pevsner vorgesehen hatte — hat er das nicht alles den Formen seiner Kunst auch wirklich eingeprägt !