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Karl Philipp Moritz - Anton Reiser Eines der wichtigsten, eines der gröfiten, ja, eines der schönsten und meist vergessenen Bücher der deutschen Literatur - der Anton Reiser; dieses »Radikal-Ruch ohnegleichen« (Benedikt Erenz). Erst in den letzten Jahren »entdeckte« man ihn wieder: den Verfasser Kari Philipp Moritz. Berühmtheit erlangte der Ausspruch Goethes, der ihn wáhrend seines Romaufenthaltes kennen- und schátzengelernt hatte: Moritz, der an seinem Armbruch noch im Bette liegt, erzfihlte mir, wenn ich bei ihm war, Stücke aus seinem Leben, und ich erstaunte über die Áhnlichkeit mit dem meinigen. Er ist wie ein jüngerer Brúder von miry von derselben Art, nur da vom Schicksal verwahrlost und beschadigt, wo ich hegiinstigt und vorgezogen bin. Fürwahr, vom Schicksal verwahrlost. Im Anton Reiser legt Moritz davon Zeugnis ab, erzáhlt von den Leiden, den Entbehrungen, den Verkrümmungen, die seiner jungen Seele aufgezwungen wurden, und erstellt ganz nebenbei eine Sozialgeschichte des ausgehenden 18. Jahrhunderts, wie sie kein wissenschafdiches Werk in dieser Eindringlichkeit und Plastizitát jemals erreichen könnte. Eine Autobiographie, die er »psychologischen Roman« nannte. Die Geschichte seines eignen Herzens wollte er aufzeichnen, wie er bereits 1782 in seinem »Vorschlag zu einem Magazin der Erfahrungs-Seelenkunde« geschrieben hatte, auf die Erinnrungen aus den frühesten Jahren der Kindheit aufmerksam sein, und nichts fiir unwichtig haltén, was jemals einen vorzjuglich starken Eindruck auf ihn gemacht hat, so dafi die Erinnrung daran sich noch immer zjuoischen seine übrigen Gedanken drángt. Nicht mehr ironisch, höhnisch mutet es an, wenn der Rezensent der »Gothaischen gelehrten Zeitung« 1785 dem Autor vorwarf, dafi er den Stand und die Situationen, worin