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Architektur des 20. Jahrhunderts [antikvár]

Architektur des 20. Jahrhunderts [antikvár]

 
Prolog Im Gefolge der Aufklärung waren Ende des achtzefinten Jahrfiunderts neue östfietl-sche Potentiale freigeworden. Die Naturwissenschaften wurden zum anerkannten Mittel der Welterklärung, und geometrische Axiome konkurrierten mit den anatomischen Proportionsregeln. Die Festlegung eines Mafistabs aus den Konstanten der Natur war eines der Ergebnisse der französischen Revolution; mit der Deponierung des Urmeters, dem Vierzigmiliionstel des Erdumfangs, im Musée des Arts et Métiers am 22. Juni 1799 wurde die neue Längeneinheit zur...
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Prolog Im Gefolge der Aufklärung waren Ende des achtzefinten Jahrfiunderts neue östfietl-sche Potentiale freigeworden. Die Naturwissenschaften wurden zum anerkannten Mittel der Welterklärung, und geometrische Axiome konkurrierten mit den anatomischen Proportionsregeln. Die Festlegung eines Mafistabs aus den Konstanten der Natur war eines der Ergebnisse der französischen Revolution; mit der Deponierung des Urmeters, dem Vierzigmiliionstel des Erdumfangs, im Musée des Arts et Métiers am 22. Juni 1799 wurde die neue Längeneinheit zur gültigen Instanz. Auch Etienne-Louis Boullée, Baumeister und Mitglied der Akademie, huldigte in seinem zeichnerischen Werk dem Primat der Geometrie. Unter den »regulären Körpern« besaß für ihn die Kugel den höchsten Wert, weil sie bei allseitiger Symmetrie und gleicher Ansicht sowie der »zarten und flüssigen« Anmut des Umrisses alle Vorteile einer Raumform in sich vereinige. Damit stellte er sich In die Tradition des Renaissance-Architekten Andrea Palladio, der die Kreisform ähnlich verehrt hatte: »Im höchsten Grade ist sie geeignet, die Einheit, die unendliche Essenz, die Gleichmäßigkeit und Gerechtigkeit Gottes danzustellen.« Bereits in der Antike wurde der Erdgöttin Vesta der runde Tempel zugeordnet. Boullée übertrug die Analogie bei seinem Kenotaph für den englischen Physiker, Mathematiker und Astronomen Isaoc Newton in das Symbol der Erdkugel; nur der Kugelraum schien geeignet, dos Weltganze in Architektur umzusetzen. Die Kugelform hotte für Boullée zudem einen ganz aktuellen Bezug. 1784 waren die Brüder Montgolfier erstmals mit Ihrem Ballon aufgestiegen, unübervvindbor geglaubte Grenzen waren domit überschritten, die Erdenschwere überwunden. Das Bild der Schwerelosigkeit versuchte auch der Kenotaph zu vermitteln: Die Fassung des großen Rundbaus durch umgreifende, abgestufte Tonnen war auf der Eingangsseite aufgebrochen, wodurch die Kugel sich - im Gegensatz zu den bis dahin bekannten Kuppelbouten - auch unterhalb des Meridians zeigte und dem Grund scheinbar nur leicht aufsaß. Der Anspruch, die Natur zu kontrollieren, wird auch in der Anlage des Sternenhimmels im Inneren deutlich, Boullée wollte »malen mit der Natur, indem sie ins Werk gesetzt wird«. An die Stelle eines Ausgellefertselns, einer Geworfenhelt in die Welt tritt der Umgang mit Ihr, hier konkretisiert im »Umgang mit dem Licht«. Was bei Boullée und seinem Zeltgenossen Claude-Nicolas Ledoux fortschrittlich erscheint, ist aber allein ihre Liebe zur Geometrie, in der gebauten Architektur fügten sie sich dagegen fast nahtlos in den Klassizismus der Zeit um 1800 ein. Die alten Lehren von Stütze und Lost, der Anspruch von Monumentalität und Ehrfurcht waren keineswegs überwunden, auch wenn Ledoux die Grundbausteine auf »Kreis und Quadrat, dos sind die Buchstaben des Alphabets«, formal reduzierte. Dos grundsätzliche Problem der Moderne scheint hier bereits auf: Zwar sind neue Ziele abstrakt zu benennen, auch ist die Ablehnung überkommener Stilformen übereinstimmend anerkannt, doch wird der klassische Konon der Ästhetik nicht durch ein ähnlich kohärentes, neues System ersetzt. Eugene-Emmanuel Viollet-Ie-Duc »Maçonnerie«, 1 864 Zeichnung aus dem Atlas »Entretiens sur l'Architecture« Bibliothek der Landesgewerbeanstalt Nürnberg

Termékadatok

Cím: Architektur des 20. Jahrhunderts [antikvár]
Kiadó: Benedikt Taschen Verlag
Kötés: Vászon
ISBN: 3822802654
Méret: 250 mm x 320 mm
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