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Sie treten in jeder Generation auf: die Einäu^gen, Großmeister im Verdrängen, die Weißwäscher, denen das Weglassen zur zweiten Natur geworden ist. Einer hat sich jetzt gewichtig zu Wort gemeldet. Lorenz Josef Reitmeier, 60, Oberbürgermeister der bayerischen
Kleinlich wurde das Stadtoberhaupt nur bei den Deportierten und Ermordeten. Die Häftlinge des ehemaligen Konzentrationslagers waren ihm keinen Blick, keine noch so geringe Recherche wert. So entging ihm natürlich der renommierte Maler Zoran Music, 81, der 1944 von Triest nach Dachau deportiert wurde und der nach seiner Befreiung auf der documenta in Kassel und der Biennale in Venedig ausstellte. Es entgingen ihm auch Rolf Cavael, Ka-zimierz Chudy, Pierre Charles Da-bouis, Karel Petrovic und Bozo Pengov. Sie alle haben in Dachau gemalt - hinter Stacheldraht und in Todesgefahr.
Reitmeiers zynische Erklärung für diese Unterschlagung: „ich wollte das KZ nicht noch bekannter machen, als es
Bilder, die nicht zusammenpassen: Häftlingssltizze des KZ-Insassen Zoran Music (1944) und pflügender Bauer (1938) von Arnold Moeller, ganz im Stil der braunen Kunst-Doktrin
Kreisstadt Dachau seit 1966, porträtierte auf seine Weise „Dachau, den berühmten Malerort". In einem drei Kilo schweren Wälzer bringt der Verwaltungsjurist und Lokalpatriol auf 504 Seiten 1708 meist farbige Abbildungen unter, die seine Heimatstadt mit Malerei vom Makel nationalsozialistischer Greueltaten befreien soll. Denn seit der „Gründung eines Konzentrationslagers in einer Nachbargemeinde, aber unter dem Namenunserer altehrwürdigen Stadt", so klagt Reitmeier, habe „der schreckliche Klang das eigentliche Dachau als Ort der Kunst und der Geschichte verdeckt". Mit findigem Fleiß hat der Autor eine Kunst-Chronik vom 12. Jahrhundert bis in die Gegenwart zusammengestellt und dabei so manchen Dachau-Besucher wie Max Liebermann, Lovis Corinth oder Wilhelm Leibi großmütig eingemeindet.
schon ist." So paßt es denn auch ins fatale Bild, daß der Autor zu Dutzenden Künstler wie Arnold Moeller oder An-gelo Jank mit Bildern vorstellt, von denen sich die Nationalsozialisten zwischen 1937 und 1944 auf den „Großen Deutschen Kunstausstellungen" in München ihre Blut-und-Boden-ldeo-logie illustrieren ließen.
Der jüdische Maler Max Liebermann, auf dessen Dachau-Besuch Reitmeier so stolz ist, starb 1935. Seine Witwe Martha sollte im März 1943 von der Gestapo abgeholt werden. In der Nacht vor ihrer Deportation nahm sich die 85jährige das Leben. Vielleicht hätte man sie nach Dachau verschleppt.
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