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Editorial"
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Wie schwer sich die Deutschen mit der lange beschworenen Einheit tun, wird in diesen Tagen allenthalben sichtbar. Daß die Künstler da nicht abseits stehen, war wiederholt Gegenstand der Berichterstattung in ART. Nun ziehen die Kulturpolitiker nach. In ihrem Streit sehen manche schon die unschöne Fortsetzung des „Berliner Museumskrieges" aus den zwanziger Jahren: Zum Zankapfel wird jetzt die berühmte Museumsinsel, jenes einmalige Architektur-Ensemble, das seit Karl Friedrich Schinkel (1781 bis 1841) in hun-
Museumsinsel mit Neuem Museum und Nationalgalene (1884)
dertjähriger Baugeschichte gewachsen isL Im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstört, später notdürftig repariert und durch die Teilung Berlins auch im Bestand dezimiert, bietet sich jetzt die historische Chance, das Kulturquartier im alten Zentrum der „Hauptstadt im Wartestand" wiederaufzubauen und zu restaurieren. Denn nur so könnte auch die Kunst wieder zusammengefügt werden.
Doch statt des eindeutigen Volums kommt Hickhack aus Berlin. Anlaß dazu gab eine falsche Weichenstellung: Die „Stiftung Preußischer Kuiturbe-silz", oberster Kunstverweser der Metropole, will den Neubau fü r die Gemäl-Jlegalerie Alter Meister (bislang Dah-im Westen plazieren - zwischen
Neuer Nationalgalerie und Kunstg,c-werbemuseum. Das wüste Feld, meist von tosendem Verkehr umschlossen, wird von der Berliner Kulturbürokratie ebenso beharrlich wie erfolglos als „Kulturforum" angepriesen.
Würde der Stiftungsplan verwirklicht, wäre aus kleinlichem West/Ost-Denken die Chance für eine brillante Konzentration vertan: Es ließe sich Kun.st von der Antike bis zum Beginn dieses Jahrhunderts auf der Museums-insel versammeln - auch zum Nutzen der Besucher. Die nämlich könnten dann ganz profunde Einsichten gewinnen und Zusammenhänge durchschauen wie in keiner anderen Museumslandschaft der Welt.
Und auch der Westteil würde von einer solchen Entscheidung profitieren. Am Kemperplatz, zwischen Nationalgalerie und Kunstgewerbemuseum, könnte der von Heinz Hilmer und Christoph Sattler für die Alten Meister entworfene Neubau der Nationalgalerie zugeschlagen werden und die Sammlung Marx aufnehmen, die nach bisheriger Planung künftig im Hamburger Bahnhof, fernab vom Mutterhaus, gezeigt werden soll.
Weil zu befürchten ist, daß in Beriin die Gunst der Stunde vertan wird und eine große Lösung, die noch dazu an alte Traditionen anknüpfen würde, im Ge-.strüpp der Planungsbürokratie steckenbleibt, sei der Blick über die Grenzen erlaubt: In der französischen Metropole Paris haben mehrere Präsidenten am Glanz des Kulturzentrums gearbeitet. Gerade wird der zweite Abschnitt des Louvre mit Milliardenaufwand zum atemberaubenden Kunsthaus umgewidmet. Und das kaum nach der Fertigstellung der gläsernen Pyramide von leoh Ming Pei. Wo steht geschrieben, daß in der deutschen Kulturpolitik nur kleines Karo getragen werden darf?
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