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ASJA
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Ich war damals fünfundzwanzig Jahre alt, begann N. N. zu erzählen. Es handelt sich also um längst vergangene Zeiten, wie Sie sehen. Ich hatte midi soeben unabhängig gemacht und war ins Ausland gefahren, nicht >um meine Bildung abzuschließen^ wie man dazumal sagte, ich wollte mich einfach in Gottes schöner Welt ein bißchen umblicken. Ich war gesund, jung, lebenslustig, an Geld fehlte es mir nicht, Sorgen plagten mich noch nicht, ich lebte in den Tag hinein, tat, wozu ich Lust hatte — kurz, ich ließ mir's wohl sein. Mir kam damals gar nicht in den Sinn, daß der Mensch keine Pflanze ist und sich's nicht lange wohl sein lassen kann. Die Jugend ißt vergoldete Pfefferkuchen und glaubt, sie seien das tägliche Brot; aber es kommt die Zeit, da man selbst um Brot vergeblich bittet. Doch darüber zu reden hat keinen Zweck.
Ich reiste ohne Ziel, ohne Plan umher, verweilte überall, wo es mir gefiel, und zog weiter, sobald ich den Wunsch verspürte, neue Gesichter zu sehen — ja, Gesichter. Midi interessierten ausschließlich die Menschen; die sehenswerten Kunstdenkmäler und die berühmten Sammlungen haßte ich. Der bloße Anblick eines Lohndieners erregte in mir Trauer und Zorn, und im Dresdner Grünen Gewölbe verlor ich fast den Verstand. Die Natur wirkte ungemein auf mich, aber ich liebte nicht ihre sogenannten Schönheiten, die erstaunlichen Berge, Felsen und Wasserfälle; ich mochte nicht, daß sie sich mir aufdrängte, daß sie mich störte. Doch lebendige menschliche Gesichter, die Reden der Leute, ihre Bewegungen, ihr Lachen — ohne das konnte ich nicht auskommen. In der Menge war mir stets besonders leicht und wohl zumute; es war mir eine Freude, dahin zu gehen, wohin die anderen gingen, zu schreien, wenn die anderen schrien, und gleichzeitig sah ich mir gern an, wie diese anderen schrien. Es machte mir Spaß, die Menschen zu beobachten. Ich beobachtete sie eigentlich gar nicht, ich betrachtete