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Schönheit und Weisheit waren damals das Ziel. In einem ein^igen Jahrhundert schuf eine Stadt von kaum vier^igtausend Bürgern Grund und Gipfel der abendlándischen Kultur. Fiinfyehn blühende Jahre befruchteten vei und ein halbes Jahrtausend. Dreifiig Jahre Krieg ^ertraten das Athén des Perikies. Um 400 vor Christus. „Ich warne dich, Leukippos." „Vor wem?" „Vor der Dummheit." Sie zogen die Beine hoch. Die FüBe versanken im Dreck. Es goB. Endlich erreichten sie ein halbzerfallenes Grabmal. Ein kleiner Steinbogen bot etwas Schutz. Hier stellten sie ihre Sácke ab, um sich zu verschnaufen. „Ich warne dich, Göttlicher", wiederholte Demokritos. Leukippos wrang einen Zipfel seines klatschnassen Chitons aus und wischte sich mit ihm das Gesicht und den kahlen Schádel. „Was nennst du Dummheit, junger Freund? Meist ist es nur die andere Meinung, die wir Dummheit nennen." „Ich achte die andere Meinung. Wir brauchen sie. Ich warne dich vor der echten Dummheit, Meister, vor der verbohrten, die sich obendrein für eine Tugend hált." „Sie macht den Menschen schwach. Sie verdient mehr unser Mitleid als unsere Vorsicht. Aber ich fürchte, Demokritos, der Mais in unseren Sácken hier wird Keime treiben, ehe wir nach Hause kommen. Wir werden Gemüse essen müssen statt frischer, knusperiger Maiskuchen. Ich mag kein Gemüse, wenn ich Hunger habe." „Man ist dir nicht grün, verehrter Meister. Deine Lehre erregt AnstoB. Du hast Feinde." „Hoffentlich." „Ich sagte nicht Gegner, ich sagte Feinde." „Wer keine Feinde hat, taugt nichts. Feinde sind unsere Bestátigung. Aber du siehst noch immer an der Hauptsache vorbei, mein junger Freund. Du erkennst nicht das Wesentliche. Mit sechzig Jahren laufe ich zu FuB nach Phaleron, um einen Sack Mais zu kaufen. In Athén gibt es neuerdings kein Gran Korn. Man muB heimlich in die Hafenkneipen schlei-