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Der Wind strich über die Ebene von Nan-Schin und streichelte die weißen Gräser, daß sie sich wie in Demut' beugten. Die gnadenlose Sonne der Steppe hatte sie ausgebleicht, bis sie wie Silbergespinst im Licht des Mittags leuchteten. Geblendet schloß Lia einen Moment lang die Augen. Dann fiel die Flappe des Zelts wieder zu, und Dämmerung hüllte die Frau ein.
»Geht es dir besser. Ältere Schwester?« fragte Han Schia in dem weichen Kantonesisch, das klang, als wolle das junge Mädchen, dessen Züge die Entbehrungen des Langen Marsches noch nicht gekennzeichnet hatten, gleich ein Lied anstimmen.
»Nuänhuo, hao«, sagte Lia. »Warm, gut.«
Der Schüttelfrost war vorbei, Schia hatte Wasser organisiert, eine Tonschüssel voll, kaum größer als eine Reisschale. Schia hatte Lias Gesicht und Hände gewaschen, ihren Körper mit einem Baumwollknäuel trockengerieben und ihr ein frisches Hemd übergestreift.
Das Kind trat leise ins Zelt, sah, daß Lia wach war, lief zu ihr, schlang seine Arme um Lias Hals. Sie richtete sich auf, drückte das Mädchen fest an sich.
»Hast du auch brav gelernt? Warst du fleißig in der Schule der Jungen Kämpfer?«
»Hao, hao, mäma! Ich habe gelernt.«
»Sie war sehr fleißig heute«, sagte Schia stolz, denn sie betreute das Kind, seit Lia mit dem Schwarzen Fieber darniederlag.
»War er zufrieden?« fragte Lia ängstlich.
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