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Gatt lebt. Gatt lebt also noch. Seit Jahren ging er mir nicht aus dem Sinn, wie ein Feind saß mir seine Geschichte im Nacken, und jetzt diese Nachricht. Jeremias Weißbecher rief mich an. «Hallo, alter Freund! Ich wollte dir einen Brief schreiben. Aber das dauert zu lange. Wir haben ihn gefunden. Fahr hin. Beeile dich. Ich komme nach «
Zwar scheint ein Zeitalter zwischen damals und heute zu liegen, die Entfernung von Himmelskörpern zwischen unserer Begegnung in M. und meiner jetzigen Reise, die Welt hält keinen Tag still, doch nun, da ich mich jeder Einzelheit zu erinnern versuche, ist alles eine Denksekunde erst her. Ich sitze im Zug. Angetrieben durch die Erwartung, ihn wiederzusehen, zö- ^ gerte ich keinen Augenblick, fuhr sofort zum Bahnhof und löste eine Karte. Wohin? Nach Mansfeld oder doch nur ins Ungewisse? Von Weißbecher weiß ich nur, daß er, Gatt, sich dort in der Nähe aufhalten muß. Vielleicht in E. Vielleicht in S.
Aber er lebt. Wird jedoch unsere Anstrengung nicht '
vergebens sein? Was ist ein Mensch? Ich entsinne
mich, wie er den Atlas mit den Bildern in seiner Hand
hielt, Bamberger Reiter, Kreidefelsen auf Rügen und i
Karten von Europa. Ich entsinne mich seiner Worte:
Man müßte sich irgendwo als Punkt darauf eintragen,
wie eine neue Stadt, schwarz oder rot Und ich nahm
auch die Manuskripte mit. Lose Blätter. Halbfertig. Kein
Ende. Hier und dort schon mit Gilbstellen versehen.
Denn ich hatte es aufgegeben, noch weiter daran zu j
schreiben. Mir fehlte das Urteil, mir fehlte der Mut,
über ihn zu urteilen, ein entscheidendes letztes Wort,
mit dem vielleicht auch er gerechnet hatte.