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Editorial
Auf unsichtbaren Bühnen
Mit dem vierten Band der StadtRandNotizen schließen wir die Darstellung unserer Studien im Bremer Stadtteil Gröpelingen bis auf weiteres ab. Während Band 2 (»Urbane Bildung«) Grundlagen der Arbeit im Forschungsprojekt »Bildung und Stadt«' darstellt, präsentiert Band 3 (»Vorstadtbildung, z.B. Gröpelingen«) Ergebnisse verschiedener empirischer Studien im Untersuchungsgebiet. Der nun vorliegende 4. Band »Auf unsichtbaren Bühnen — Forschendes Theater im Stadtteil« widmet sich Ansatz und Praxis des forschenden Theaters, das im Rahmen des Projektes entwickelt und erprobt wurde, und richtet sich gleichermaßen an Stadtforscher, Theaterleute und Pädagogen.
Beim forschenden Theater handelt es sich um einen experimentellen Zugang, der an der Schnittstelle zwischen empirischer Stadtforschung und stadtteilbezogener Kultur- und Bildungsarbeit angesiedelt ist. Es ist ein exploratives Verfahren zur Untersuchung städtischer Wirklichkeit, das künstlerische und wissenschaftliche Vorgehensweisen verbindet und gleichzeitig einen Beitrag zu städtischer Kultur und urbaner Bildung leistet. Mit Hilfe des Theaters konnten Situationen und Ereignisse auf andere Weise erschlossen werden, als dies mit wissenschaftlichen Methoden möglich ist. Denn Wissenschaft reduziert Realität, um sie erforschen zu können, während das Theater Situationen produziert, in denen Wirklichkeit in ihrer Komplexität enthaken und zugleich ästhetisch überformt ist. Insofern fiingiert der theatrale Zu-
gang als Korrektiv für andere Methoden innerhalb des Forschungsprojektes und vice versa.
Ziel des forschenden Theaters ist es, das Geschehen in öffentlichen Räumen experimentell zu untersuchen und darzustellen. Es hat sich als geeignetes Instrument erwiesen, um die unsichtbaren Bühnen des Alltags sichtbar zu machen, um Wahrnehmung und Aneignung öffentlicher Räume ins Bewusstsein zu rufen und das Geschehen in ihnen zumindest temporär zu verändern. Das Theater kann Konventionen des städtischen Lebens auf spielerische Weise in Frage stellen, indem es beispielsweise private Tätigkeiten an öffentliche Plätze veriegt, vorhandene Objekte, Orte, Rituale verfremdet oder Rollenwechsel zwischen den Geschlechtern oder Generationen vornimmt. Es steUt Öffentlichkeit her und ist Anlass dafür, dass sich Bewohner des Stadtteils auf Plätzen und Straßen versammeln, miteinander ins Gespräch kommen und sich eine Meinung über das Geschehen bilden. Das Theater kann mit anderen Worten informelle Bildungsprozesse in Gang setzen, die kommunikative, reflexive und ästhetische Fähigkeiten der Städter stärken und dazu beitragen, dass sich Bewohner nicht nur als Zuschauer, sondern als Akteure des städtischen Lebens erfahren.
Aus der Beobachtung und Reflexion der mit dem Theaterspiel verbundenen Prozesse und Erfahrungen lassen sich Rückschlüsse auf die Konstitutionsbedingungen urbaner Bildung ziehen und Aussagen darüber machen, wie Urbane Bildung ge-