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VORWORT
Franz Mehring zählt zu den bedeutendsten Führern der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung, zu den besten Repräsentanten humanistischen, demokratischen und sozialistischen Geistes, die das deutsche Volk hervorgebracht hat.
1846 geboren, traf er nach langem Suchen und Prüfen erst im reifen Alter von fünfundvierzig Jahren die große Entscheidung seines Lebens. Er ist zur revolutionären Arbeiterbewegung übergegangen, der er bis zu seinem Tode im Januar 1919 mit hingebungsvoller Treue diente. Nahezu drei Jahrzehnte stand er in der vordersten Reihe des Kampfes. Ständiger Mitarbeiter des theoretischen Organs der Sozialdemokratie, der „Neuen Zeit"; Leiter der ersten großen revolutionären Kulturorganisation der deutschen Arbeiterklasse, der „Freien Volksbühne"; Chefredakteur der „Leipziger Volkszeitung"; neben Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg einer der führenden Persönlichkeiten der Gruppe der revolutionären Linken in der deutschen Sozialdemokratie; gemeinsam mit Rosa Luxemburg Herausgeber der Zeitschrift „Die Internationale"; Angehöriger des Führungskerns der Spartakusgruppe; Landtagsabgeordneter, der die Sprache Karl Liebknechts sprach, nachdem sein Freund ins Gefängnis geworfen war; begeisterter Anhänger der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution; Mitbegründer der Kommunistischen Partei Deutschlands: das sind nur einige der wichtigsten Stationen seines Kämpferlebens.
Aus welchem Holze dieser glühende Revolutionär geschnitzt war, davon zeugt ein Brief Karl Liebknechts aus dem Gefängnis, geschrieben, als die Büttel des deutschen Imperialismus und Militarismus den greisen Mehring 1916 ins Gefängnis warfen. Mit schneidendem Hohn geißelte Karl Liebknecht diese „Tat" der Herrschenden: „Der deutsche Militarismus schlägt seine ruhmvollsten Schlachten in der Heimat, Schlachten, von denen keine Zeitung kündet In kühnem Sturm gelang es ihm, den siebzigjährigen Franz Mehring zu bezwingen und ihn, unter dessen Streichen ein Bismarck erzitterte, gefangen fortzuführen . . . Endlich! Denn Franz Mehring hat es längst verdient, es ist ihm recht geschehen. Warum räucherte er nicht dem Götzen Imperialismus? Warum blieb er seinen Altären, den Altären des Sozialismus, treu? Warum warf er sich unbekümmert seines hohen Alters in die Schranken für das Heiligtum der Internationale?