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AUGSBURG
Wer von Ost oder West kommend durch hügeliges Land Augsburg zustrebt, der sieht die Stadt plötzlich vor sich liegen, wenn der Weg ins Lech- oder Wertachtal hinab den Blick öffnet. Sie breitet sich scheinbar so sehr auf dem flachen, offenen Felde aus, daß nicht gleich zu erkennen ist, wie der Stadtkern etwas erhöht auf der Hochterrassenzunge im Mündungswinkel zwischen den beiden schnellen Alpenflüssen angelegt ist, die sich hier vereinigen. Kein steiler Anstieg ist da, auf dem sich wie in Nürnberg oder Würzburg eine beherrschende Burg erheben könnte. An diese Lage hat Wilhelm Heinrich Riehl gedacht, als er seine berühmten „Augsburger Studien" von 1858 mit der Bemerkung einleitete, Augsburg sei keine Stadt, die von außen eine Ansicht bietet; man könne sie nur von innen oder aus der Vogelperspektive landschaftlich fassen. Heute fällt sofort der Kranz von Schloten auf, der die Altstadt umsäumt. In ihm offenbart sich die Industriestadt, die vorzugsweise Maschinenindustrie und Textilindustrie betreibt und ihrer wirtschafthchen Regsamkeit — Eingemeindungen der Jahre 1910—1916 und 1972 dazugerechnet — das Anwachsen auf eine Einwohnerzahl von nahezu 260 000 Menschen verdankt. Die Altstadttürme sind meist kupferbedachte Zwiebeltürme oder Türme mit „welschen Hauben", die den ausgesprochen süddeutschen Charakter der Stadt verraten. Drei Turmgruppen treten besonders hervor. In der nördlichen Altstadt erkennt man die einzigen gotischen Spitztürme Augsburgs, das nadelspitze, grünpatinierte Dächerpaar des Domes. Am Altstadtsüdrand erhebt sich gewaltig der höchste Turm der Stadt, der Zwiebelturm der Kirche St. Ulrich und Afra, der auch dem Eisenbahnreisenden vertraut ist. In der Stadtmitte aber, zwischen beiden geistlichen Wahrzeichen, steigt mächtig das Rathaus auf, ein riesiges graues Giebelhaus mit flankierenden Dachzwiebeltürmen, begleitet von der Senkrechten des frei ragenden Stadtturms, des Perlach. In keiner anderen deutschen Stadt ist das Rathaus so über die Dächer emporgehoben, so blockhaft-anspruchsvoll der Ferne entgegengereckt
Augsburg von Osten im 17. Jh., Stich von Raphael Custos 3
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