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VORWORTKeinen Menschen der Antike, so sagen die Geschichtsforscheu, kennen wir so gut wie Augustinus. Aber wer kennt ihn denn und wie; Den Bekehrten und den Sünder kennt jeder. Vor Bertrands Buch war Augustinus ein Name, jetzt ist er ein Roman. Ein sehr erbauhcher, denn er ist aus den Bekenntnissen geschöpft. Aber doch ein Roman, reizvoll genug, weil er vom Leben jenes Mannes handelt, der die Nomenklatur der Liebe mid bemahe den Ausdruck aimer d'amour erfand, und auch darum fessehid, weil er gerade noch tief genug in das Leben der Antike hineinführt. Niemand vergißt die Stadt Karthago, wo der Kessel schmutziger Liebe allenthalben überkochte^; niemand die singende Gemeinde des Ambrosius in der Basiüka von Mailand, niemand auch, hof-fenthch, diesen oder jenen aus tiefstem Herzensgrund aufbrechenden Seufzer - noch, fürchte ich, Augustins namenlose Gefährtin, wie sie, noch immer tmgenannt und ohne ihr Kind, nach Afrika zurückkelirt, um den Rest ihres Lebens Gott zu weihen, in die Wüste geschickt wie eine andere Hagar, weil sie sogar nach dem Urteil von Monnica nicht ebenbürtig war (ich kenne eine Nonne, die als junges Mädchen aus Ärger über Momiica das Buch bei dieser Episode in den Efeu des Klostergartens warf)^.Den Sünder kennt jeder und damit auch den Bekehrten. Aber den Heiligen?Es scheint, daß Augustinus bis zu seiner Bekehrung interessant ist. Danach vergißt beinahe jeder den Menschen und den Heiligen über dem Genie. Und dieses Genie schreckt ab. Es steckt irgendwo verborgen in elf großen Folianten mit eigentüirJich funkelndem Latein und ist den Gelehrten ausgeliefert, noch dazujenen fleißigen Bienen, den Philologen. Neben diesen FoHanten ist eine ganze BibHothek erwachsen, die fast nur für Eingeweihte bestimmt ist. Gewiß, mancher liest noch heute die Bekenntnisse, das heißt die ersten neun oder zehn Bücher, legt sie wieder aus der Hand, tief ergriffen - und verlangt ein wenig hilflos nach melir. Er findet wohl auch gelegentlich die Übersetzung eines anderen Werkes, aber seine Scheu vor den Folianten bleibt.Unwillkürlich denkt ein Weltmann, eine Bekehrung sei eine Art happy end. Was nachher kommt, geht ilm nicht mehr an. Das ist eine eintönige Fläche, langweilig wie alle Tugend. Tausende, die sich bei der einen oder anderen Seite der Bekenntnisse erschüttern lassen, denken keinen Augen-bhck an das, was in der Zeit geschehen ist, worüber die Bekenntnisse schweigen. Und doch wird jeder zugeben müssen, daß der beste Teil dieses Lebens erst beginnt, wenn der alte Mensch abgelegt und der neue angezogen ist. Nicht der Verirrte und auf dramatische Weise Bekehrte ist der Kirche im Gedächtnis geblieben, sondern der Bischof. Und es ist