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Michail Iwanowitsch Glinka
ahrhundertelang hatte sich im zaristischen Rußland neben der nationalen Volksmusik eine nationale Kunstmusik nur mühsam entwickeln können. Musik aus dem Ausland, vor allem aus dem sangesfreudigen Italien, beherrschte den Geschmack der feudalen Kreise. Erst mit Michail Iwanowitsch Glinka erhob sich gebieterisch die Stimme der Heimat und verlangte Einlaß in die Konzertsäle und Theaterräume. Glinka wurde somit zum „Vater der russischen Musik". Michail Glinka wurde am 1. Juni 1804 als Sohn eines Gutsbesitzers in Nowospaskoje bei Smolensk geboren. Daß er auf dem Lande aufwuchs, wurde bedeutungsvoll für seine spätere Entwicklung auch als Musiker. In seinen „Notizen", einer selbstverfaßten Lebensbeschreibung, stellte er fest: „Lieder, die ich als Kind hörte, bewirkten es, daß ich später hauptsächlich russische Volksmusik bearbeitete." Er hörte sie von den Knechten und Mägden, die zu ihrer Arbeit oder am Feierabend in der Küche und im Stall sangen, er hörte sie aber auch aus den Darbietungen eines Leibeigenen-Orchesters auf dem benachbarten Gut seines Onkels. Es waren schwermütige Weisen, aber auch fröhliche und übermütige, die die Flöten und Klarinetten der Bauernmusiker munter umspielten. Sehr zum Ärger des Vaters hielt sich der junge Michail allzugern bei diesen einfachen Menschen, auf. Von ihnen lernte er Geige spielen und Flöte blasen. Das war jedoch gar nicht „standesgemäß" für den Herrensohn, der lieber bei einer deutschen Erzieherin das Klavierspiel erlernen sollte. Nun, auch das machte dem musikfreudigen Michail Spaß, und seine Eltern hatten nicht» zu klagen, wenn er dann Stücke, wie sie damals Mode waren, für sich und für die Eltern spielte. Besucher von den benachbarten Gütern bestaunten und bewunderten den begabten Jungen nicht wenig. Dem Leibeigenen-Orchester verdankte er die Bekanntschaft mit Werken so bedeutender Musiker wie Cherubini1 und Mozart.
1 Luigi Cherubini (sprich: lujdschi kerubjni) (1760-1842), italienischer Opernkomponist. 1*
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