Bővebb ismertető
Meine Eltern
Zuerst von der Mutter.
Vor vierzig Jahren, als ich ihren Todestag habe erleben müssen, sang ich ihr ein heißes, ein fast wildes Schmerzens-lied. Seither ist jeder Erinnerungstag sanfter geworden und friedlicher und fröhlicher, und heute ist sie mir keine Gestorbene mehr; sie lebt wieder in jener Gestalt, wie sie mich als Knaben über die beblümten Felder hat geführt und liebliche Lieder gesungen, wie sie mich durch dämmernden Fichtenwald hat geleitet und viel heilige Mär hat erzählt von den Himmlischen, und auch von den Irdischen, die vor uns gewesen sind im Waldlande.
Der Wald war meiner Mutter angestammte Heimat. Aus seinem Dunkel kam sie heraus mit ihren wundersamen Geheimnissen, mit denen sie mich hat erfüllt. Sie war die Tochter eines Mannes, der in den Wildnissen des Kreß-baches und des Teufelssteingebirges die gefällten Hochwaldstämme zu kostbaren Kohlen glutete, wie sie die Hammerschmieden des Mürztales in jenen Zeiten benötigt haben. Und außer Kohlenbrenner ist ihr Vater - wie mir oft er-
»
zählt worden - auch Schulmeister gewesen, in dessen Hütte die Kinder der Holzknechte, Jäger und Kleingütler zusammenkamen, um das Lesen schwarzgedruckter Bücher und das Zeichnen der Rechnungsziffern zu lernen. Das Schreiben hat dieser Schulmeister die Kinder nicht gelehrt, weil er es selber nicht gekonnt hat. Und die beiden „schwarzen Künste", die der Mann trieb, setzten ihn nicht in die Macht, seine Familie zu ernähren. Sein Weib stand auf einem nachbarlichen Kleingütel als Dienstmagd; auch das Töchterlein hatte sie bei sich, die kleine Maria mit dem
5