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Scott Turow - Aus Mangel an Beweisen [antikvár]
 
EröfiungserklärungSo fange ich jedesmal an:Ich bin der Ankläger. Ich vertrete den Bundesstaat Ich bin hier, um ein Verbrechen nachzuweisen. Sie werden gemeinsam das Beweismaterial prüfen. Sie werden darüber beraten. Sie werden entscheiden, ob es ausreicht, den Angeklagten schuldig zu sprechen. Dieser Mann Und hier strecke ich den Arm aus und zeige auf ihn.Sie müssen immer auf den Angeklagten zeigen, Rusty, schärfte John White mir ein, damals an meinem ersten Tag bei der Bezirksan-waltschaft. Der Sheriffnahm meine Fingerabdrücke,...
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EröfiungserklärungSo fange ich jedesmal an:Ich bin der Ankläger. Ich vertrete den Bundesstaat Ich bin hier, um ein Verbrechen nachzuweisen. Sie werden gemeinsam das Beweismaterial prüfen. Sie werden darüber beraten. Sie werden entscheiden, ob es ausreicht, den Angeklagten schuldig zu sprechen. Dieser Mann Und hier strecke ich den Arm aus und zeige auf ihn.Sie müssen immer auf den Angeklagten zeigen, Rusty, schärfte John White mir ein, damals an meinem ersten Tag bei der Bezirksan-waltschaft. Der Sheriffnahm meine Fingerabdrücke, derVorsitzen-de Richter vereidigte mich, und John White verschaffte mir Zutritt zum ersten Geschworenenprozeß meines Lebens. Ned Halsey trug die Eröffnungserklärung der Staatsanwaltschaft vor, und während er mit großen Gesten im Gerichtssaal auf und ab schritt, erteilte mirjohn in seiner hochherzig-onkelhaften Art und mit einem Atem, der selbst um zehn Uhr morgens schon nach Alkohol roch, meine erste Lektion. Der rüstige Ire mit schlohweißer, ungebärdiger Mähne war damals Erster Deputy der Staatsanwaltschaft. Das war vor fast zwölf Jahren, lange bevor ich auch nur im geheimen den Ehrgeiz entwickelte, selbst einmal Johns Posten zu übernehmen. Wenn Sie nicht den Mut haben, auf ihn zu zeigen, sagte John White ganz ruhig, dann können Sie auch nicht erwarten, daß die sich trauen, ihn zu verurteilen.Und darum zeige ich auf den Angeklagten. Ich strecke meinen Arm Richtung Saal, halte einen Finger starr geradeaus. Ich suche seinen Blick. Ich sage: Dieser Mann steht unter Anklage. Er wendet sich ab. Oder blinzelt Oder reagiert überhaupt nicht Anfangs war ich oft mit meinen Gedanken woanders, stellte mir vor, was ßr ein Geßhl es sein mochte, da zu sitzen, von allen begafft, mit flammenden Worten angeprangert, vor jedermann.Es sollte mehr zu Herzen gehen, sagt Raymond Morgan.Ob er wohl von der Trauerrede spricht, die er gleich halten wird? frage ich mich im ersten Moment. Er hat eben seine Notizen noch einmal überflogen und steckt nun die beiden Karteikarten zurück in die Brusttasche seines blauen Kamm-gamanzugs. Aber ein Blick in sein Gesicht verrät mir, daß die Bemerkung persönlich gemeint war. Vom Rücksitz des Buick -sein Dienstwagen - starrt er durchs Fenster hinaus auf den Verkehr, der zusehends dichter wird, je näher wir South End kommen. Nachdenklichkeit überschattet seine Miene. Während ich ihn so betrachte, kommt mir der Gedanke, wie effektvoll sich genau diese Pose auf dem diesjährigen Wahlkampft)la-kat ausgenommen hätte: Raymonds bullige Züge, erstarrt in feierlicher Würde und männlicher Entschlossenheit, mit Trauerrand. Sie vermitteln etwas von dem stoischen Gleichmut dieser doch oft recht trostíosen Großstadt und erinnern an die schmuddeligen Backsteinfassaden und die Dächer ausTeerpappe in dem Viertel, durch das wir gerade fahren. Unter Raymonds Mitarbeitern ist es zur Zeit gang und gäbe, daraufhinzuweisen, daß er nicht gut aussieht. Vor über anderthalb Jahren haben Ann und er sich nach dreißigjähriger Ehe getrennt. Er ist dicker geworden, und sein Gesicht hat jenen ewig miesepetrigen Ausdruck angenommen, dervermuten läßt, er habe endlich ein Stadium erreicht, in dem er sich damit abfindet, daß es für viele schmerzliche Dinge keine Linderung gibt. Noch vor einem Jahr hätte jeder gewettet, Raymond habe weder genügend Interesse noch Durchhaltevermögen, um erneut zu kandidieren, und er zögerte wahrhaftig lange: Vier Monate waren es nur noch bis zur Vorwahl, als er sich endlich aufstellen ließ. Manche behaupten, Machthunger und Geltungs-15

Termékadatok

Cím: Aus Mangel an Beweisen [antikvár]
Szerző: Scott Turow
Kiadó: Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf.
Kötés: Ragasztott papírkötés
ISBN: 3426609940
Méret: 120 mm x 190 mm
Scott Turow művei
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