Bővebb ismertető
Vorwort der Ncuaus^abc 2003.
Der jun^e Schillcr.
Als Schiller am 10. November 1759 in Marbach am Neckar geboren wurde, gab es noch kein Deutschland - nur eine Fülle von kleinen und kleinsten Staaten, und manche von ihnen konnte man bequem an einem Tag zu Fuß durchwandern. Württemberg war ein größeres Herzogtum; Schillers Vater stand als Soldat in den Diensten des Herzogs, und das garantierte ihm zwar ein sicheres, aber zugleich ziem-Uches karges Leben - der junge Schiller wuchs nicht gerade in Armut, aber doch unter beschränkten Verhältnissen auf. Die Familie zog als Folge der häufigen Garnisonswechsel des Vaters viel herum, und das ruhelose Leben endete erst, als der zum Vorsteher der herzoglichen Hofgärtnerei auf der Solitude bei Stuttgart ernannt wurde; dort stieg er später sogar bis zum Intendanten der württembergischen Baumschulen auf. Geld war allerdings nie genug im Haus — und wenn der Vater seinem Sohn eine gute Ausbildung bieten wollte, dann mußte er ihn fortgeben. Und als der Herzog von Württemberg den Hauptmann Schiller auffordern ließ, seinen Sohn in die Dienste des Hofes zu schicken, da fügte sich der Vater nach einigem Zögern und brachte den jungen Friedrich 1773 in Karl Eugens »Militär-Pflanzschule«, eine Anstalt fiir Waisenkinder und Kinder armer Offiziere: statt des eigenen Vaters bestimmte fortan ein anderer »Vater« sein Leben.
Kaspar Schiller mochte gelegendich ein Familientyrann gewesen sein, aber sein Sohn hat ihn verehrt, und noch als Einundzwanzigjähriger schrieb er in einem Brief an seine Schwester Christophine: »Ich habe das Glük vor vielen Tausenden, (das unverdiente Glük) den besten Vater zu haben.« Wie sehr sich der Vater um den Sohn bemühte, sollte sich auch später noch zeigen, als Schiller so gut wie mittellos war und der Vater ihm lange Briefe schrieb, die von der Sorge um seinen Sohn kündeten. Er half ihm, dessen Genialität er schon früh erkannt hatte, so gut das seine spärlichen Mittel erlaubten. Die gute Beziehung zu seinem Vater hat sich bis zu dessen Tod 1796 gehalten - und spiegelt sich vor allem in einigen seiner Dramen mehrfach.
Seine Erziehung war den Umständen nach die bestmögliche; die Schule hatte hervorragende Lehrer. Aber der Aufenthalt in dieser Militärakademie, die später zur »Hohen Karlsschule« umbenannt wurde, war alles andere als ein vergnügliches Dasein. Die Schule war ein streng geführtes Internat, das Leben darin wurde vom Herzog von Württemberg bis in Einzelheiten bestimmt. Schillers Eltern hatten einen Revers unterschreiben müssen, daß ihr Sohn sich »gänzlich den Diensten des herzoglich-württembergischen Hauses widmen« werde, und das hieß: von Freiheit, eigener Berufswahl, freier Lebensbestimmung konnte keine Rede sein. Verständlich, daß »Freiheit« später bei Schiller eine so große Rolle spielen sollte. Das Leben auf der Militärakademie bestand aus Lernen und Arbeit, und das war zugleich der einzige Weg, sich die Gnade des Herzogs zu erwerben und dadurch »künftiges Glück« zu erhalten. Tagsüber trug man eine Art Schuluniform, und die mußte jeder anziehen, ob er nun von Adel war oder von bürgerlicher Herkunft. Daß man auf einer Kadettenanstalt war, merkte man aber nicht nur an der Uniform, sondern auch an der Frisur: es war ja noch die Zopfzeit, und wie alles war auch die Länge der Zöpfe genau festgelegt - vierzig Zentner Puder wurden jährlich für die Zöpfe verbraucht, denn es war ja eine Fürstenschule, und die höfische Welt sollte nach außen hin so erscheinen, wie die Kadetten auszusehen hatten, gepudert und strahlend. Unterricht war an sechs Tagen der Woche, er begann an allen diesen Tagen morgens um sieben und endete abends um sechs. Um neun Uhr abends kam das Signal zum Schlafengehen. Man schlief in Schlafsälen, in denen fünfzig Betten standen; Ausgang war nicht vorgesehen.
VIII