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Als mein Milchbruder Frank Novotny, seit über dreißig Jahren Bürger der Vereinigten Staaten, Schloß Feiding in der Absicht erwarb, dort ein internationales musikwissenschaftliches Institut zu errichten, erhielt ich von ihm einen Brief mit dem Angebot, mir all die Bilder und Möbel zu schicken, die mir zu der Zeit, als ich im Schloß zu Gast gewesen war, etwas bedeutet hatten. Nodi ehe ich ihm für sein großzügiges Angebot danken konnte, kam ein zweiter Brief aus Laumfurth - offenbar noch inuner, wie schon vor über fünfzig Jahren, die Poststation für Feiding -, der mehrere eng beschriebene, vergilbte Bögen und eine kurze Mitteilung von Frank enthielt.
Liebe Milli,
diese beiden Briefe fand ich in einem Schreibtisch. Sie gehören dir. Ich gestehe, daß ich sie gelesen habe, glaube jedoch, daß man das nach beinah einem halben Jahrhundert kaum mehr indiskret nennen katm.
Stets dein dich liebender Bruder Frank.
Ich betrachtete die beigefügten Schreiben. Eine der Handschriften kam mir zunächst fremd vor, obgleich sie einmal die meine gewesen war, doch die sauberen gotischen Buchstaben der anderen erkannte ich sofort. Mit dunklerer Tinte war, offensichtlich zu einem späteren Zeitpunkt, der Vermerk beigefügt worden: Millis Brief und Abschrift meiner Antwort.
Alles stand plötzlich wieder vor mir auf. Die tiefe Verzweiflung, als ich nicht wußte, wie ich den Schlag überstehen könne, und die Besitzer von Schloß Feiding, wie sie mir als jungem Mädchen erschienen waren, das noch nicht die Abgeklärtheit besaß, die wir später erwerben, sondern nur sehr viel Phantasie, die noch den ödesten Augenblicken meiner Jungmädchenzeit Farbe verlieh.