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Bangkok: Königspalast
Land und Leute
„Wer den groOen Duft des Ostens nicht atmete, der hat niemals gelebt", schrieb einst Kipling in dichterischer Übertrei-bung; aber zweifellos steckt ein Köm-chen Wahrheit in diesem Satz. Wer nach Bangkok, Krung Thep, reist, atmet den Duft des Ostens, einen Geruch von Weihrauch, Lotosblüten und Hühner-stall, fauligen Fischen, brackigen Klongs und verführerischem Parfüm. Bangkok hat viele Gesichter: es ist einer-seits wunderschön, andererseits grotesk háBlich; Geruhsamkeit und Hektik Hegen nicht weit voneinander. „Krung Thep" heiBt es in der Sprache der Thais: „Stadt der Engel". Dieser Name nimmt Bezúg auf seine unver-gleichiichen Tempelbauten, aber man könnte ihn auch auf die Thai-Mád-chen anwenden, die so sehr den altén siamesischen Tempelfresken gleichen und die in den traditionellen brokatenen Rockén oder in modischen Hősen neben den kahlköpfígen Mönchen in ihren gelben Roben die farbigen Akzente im Stadtbild setzen. Das alles gehört zu Bangkok: láchelnde Schönheit, HáB-lichkeit und Schmutz, práchtige Tempel und Palásté, Pfahlbauten aus Teakholz, stáhlerne Brückenkonstruktionen, Chi-nesen- und Inderviertel, Prachtboule-vards und malerische Kanálé (Klongs),
StraOenkreuzer und flache Sampans (siamesische Boote), bunte Márkte auf groBen Piátzen und die „Schwimmenden Márkte" drauBen im Kanalgewimmel von Thonburi, einige christliche Missio-nen und der alles beherrschende, tief in der Tfadition verankerte Buddhis-mus - Bangkok, Weltstadt, Knoten-punkt des internationalen Verkehrs, einzige Groöstadt im Lande der Thais.
Die Stadt und ihre Einwohner Noch bis vor zwanzig Jahren war Bangkok ein auBergewöhnlich romantischer, von der westlichen Zivilisation kaum berührter Flecken Erde mit einer Viertelmillion Bewohner. Die seltenen auslándischen Besucher bestiegen un-mittelbar vor ihrem Hotel ein Paddel-boot, das sie auf den „Klongs", den einst die gesamte Stadt durchziehen-den Kanálén, zu den zahlreichen Márk-ten, zu Tempeln und Freunden brachte. Von diesem ,,Venedig des Ostens4* ist nicht mehr viel übriggeblieben — wie sollte das auch möglich sein an einem Ort, der aus geographischen und politi-schen Gründen zu einem Drehpunkt zwischen Ostasien, der pazifischen Insel-welt und Australien einerseits, den Zen-tren Europas und Nordamerikas andererseits, geworden ist!