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Die Festspielstadt im Zentrum Europas
Kein Zweifel: Diese Stadt liegt in Mitteleuropa. Wie anders wollte man die Koordinaten des oberfränkischen Bayreuth beschreiben? Am Rande Deutschlands, weitab von dessen Zentren, gelten andere Ortungssysteme als die nationalen, lassen sich andere Verbindungen ziehen als nur die zur Landeshauptstadt München oder zur Mainmetropole Frankfurt, die, immerhin am gleichen Fluß wuchernd, mit der Skyline ihrer Bankenburgen den Restbestand des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation imaginär überragt und auf den international gängigen Begriff jener Deutschmark bringt, die als das wahre Rheingold des ausgehenden zwanzigsten Jahrhunderts die Götterdämmerung so manch anderer Werte befördert.
Nein, von Bayreuth lassen sich Verbindungslinien auch anderwärts ziehen. Nach Dresden beispielsweise, zur alten Kulturmetropole Sachsens, die seit Jahrhunderten eines der wichtigsten Zentren europäischer Musik darstellt -abgesehen davon, daß man vor knapp einhundertfünfzig Jahren im Gefolge einer mißratenen Revolution den amtierenden Generalmusikdirektor Richard Wagner aus der Stadt vertrieb und anschheßend steckbrieflich suchte. Oder nach Prag, wo es eine der ältesten europäischen Universitäten gibt und sich wieder und wieder die Literatur einnistet, wie auch immer die jeweiligen politischen Verhältnisse sein mögen. Oder auch nach Salzburg, wo der Dichter Hugo von Hofmannsthal, der Komponist Richard Stratiß und der Theaterprinzipal Max Reinhardt vor etlichen Jahrzehnten Festspiele gründeten, die im wesentlichen als eine Variante zum Bayreuther Wagner-Festival gedacht waren. Vielleicht auch Verbindungen nach Wien, zur Stadt Glucks tmd Mozarts, oder nach Budapest, wohin sie Wagners Schwiegervater Franz Liszt überführt haben, nachdem er zuerst in Bayreuth bestattet lag. Oder vielleicht sogar nach Mai-
land und Sant'Agata, wo die Erinnerung an Giuseppe Verdi dengenius loci präformiert. Wie auch immer: Bayreuth liegt ohne Zweifel im Herzen Mitteleuropas. Und nur im Winter, wenn fast nichts mehr an die sommerlichen Aktivitäten rund um die berühmtesten Festspiele Europas erinnert, kann man auf die Idee kommen, lediglich am Rande einer deutschen Provinz angelangt zu sein und in einer Umgebung, in der Eisenbahngeleise Einbahnstraßen zu sein scheinen.
Ganz richtig: Es gibt einen Bahnhof hier. Er liegt etwas außerhalb der barocken Altstadt. Wer hier eintrifft tmd nicht gerade aus der näheren Umgebung ist, der tut dies, um anzukommen und möglichst bald die paar hundert Meter nordwärts zu gehen und schließlich hügelan zum Festspielhaus hinauf, das die Stadt weithin sichtbar überragt. Erst wenn er wieder fortwill, merkt er, daß diese Stadt doch reichUch abseits der großen europäischen Verkehrswege liegt. In südlicher Richtung, nach Nürnberg hin, erwartet den Abreisenden immerhin eine durchaus romantisch zu nennende Strecke durchs Tal der Pegnitz, wo ein Blick durchs Abteilfenster lohnt. Viel wird sich nicht geändert haben seit der Zeit, in der auch die Familie Wagner diesen Weg nahm, wenn sie dem selbstgewählten Exil einmal zu entkommen suchte.
Heute ist man vielleicht besser daran, wenn man die Autobahn wählt. Sie schnürt direkt an der Stadt vorüber und verbindet Berlin mit München, führt in der einen Richtung an Nürnberg vorbei, in der anderen an Leipzig - die letztere Strecke strapaziert freilich noch auf eine Weise, die an die Zeit der Postkutsche erinnert. Noch schneller geht es mit dem Flugzeug: Bayreuth verfügt über einen Airport. Die Linienmaschinen, die hier verkehren und die Festspielstadt mit Frankfurt am Main verbinden, lassen freilich das Fliegen zum Erlebnis werden. Eng