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VORWORTSo selbstverständlich war es nicht, daß die Bayreuther Festspiele sechs Jahre nach Kriegsende wiedererstehen und einfach - als wäre nichts geschehen - weitergeführt würden. Die vorangegangenen 75 Jahre der Bayreuther Festspiele sind nicht nur ein Stück deutscher Theatergeschichte gewesen, deren künstlerische Leistungen eine sofortige Wiederaufnahme gerechtfertigt hätten, und Bayreuth war nicht erst nach Richard Wagners Tod und ist es auch heute noch: ein Politikum, weil es seit seiner Entstehung mit dem Anspruch wirksam war und ist, mit dem Ethos hoher Kunst - als Festspiel in höchster Vollendung dargeboten - einen entscheidenden Beitrag zum Leben, zur Entwicklung der Gesellschaft zu leisten. Aber was Richard Wagner als unvergleichliche Schöpfung eines Genies hinterließ: das Festspielhaus - die Werkstatt Bayreuth, so von Nietzsche bereits 1872 bezeichnet, als Vorausset-, zung für vollendete Aufführungen insbesondere seines Ring und Parsifal - wurde in der Ära Cosima nicht etwa zur Wirkungsstätte eines progressiven Geistes, wie es Richard Wagner mit letzter Kraft 1876 und 1882 zu erreichen versucht hatte, sondern ein in Orthodoxie erstarrendes, von Untertangesinnung der wilhelminischen Epoche geprägtes und von einem intoleranten Wagnerianer-Sektierertum fortan gebremstes Unternehmen, das schließlich im Hitler-Deutschland als Repräsentanz des Ungeistes mißbraucht werden konnte, als Opfer einer Ideologie, zu deren Entstehung der Bayreuther Kreis eines H. St. Chamberlain und H. v. Wolzogen mit beigetragen hatte.Um die Wiederaufnahme der Bayreuther Festspiele nach der Hitler-Katastrophe zu rechtfertigen, galt es daher diesmal, das die Festspiele belastende Problem an seiner Wurzel zu fassen und sich in einem echten Widerspruch vom Geiste des Bayreuther Kreises zu befreien. Es kann daher als ein Glücksfall bezeichnet werden, daß nach Kriegsende alle Überlegungen, Auseinandersetzungen und Bemühungen schließlich zu der Entscheidung führten, zwei jungen Persönlichkeiten, Wieland und Wolfgang Wagner, die Leitung der Festspiele zu übertragen. Einmal, weil sie als Enkel des Schöpfers von Bayreuth in sich die Verpflichtung ausgeprägt hatten, das Werk, allein dieses und nicht das seiner Epigonen und Scholasten, auf der Szene dieses neueuropäischen Theaters wiedererstehen zu lassen, in welchem dem Zuschauer das erschaute szenische Bild zum wahrhaftigsten Abbild des Lebens selbst wird (Richard Wagner bei der Grundsteinlegung 1872). Zum andern war es aber auch eine glückliche Fügung, daß diese Entscheidung in eine9