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Sándor Ladányi
Bedeutung und Wirkung der protestantischen Kollegs und des Auslandstudiums im Ungarn des 16. bis 18. Jahrhunderts
Die Anfänge des ausländischen Studiums von Studierenden aus Ungarn reichen in die Zeit der Gründung des ungarischen Staates und der Organisation der christlichen Kirche im Land der Árpádén, d. h. in das 11. und 12. Jahrhundert zurück, und dieser Prozeß hält bis in die Gegenwart an. Die Ungarn, die sich um das Jahr 1000 dem westlichen (lateinischen) Christentum und dadurch dem westeuropäischen Kulturkreis anschloßen, konnten durch diese Studien im Ausland auch trotz der oft ungünstigen innen- und außenpolitischen Verhältnisse ihre Kontakte zu Westeuropa aufrechterhalten und etwa bis zum Ende des 17., Anfang des 18. Jahrhunderts in der Entwicklung Schritt halten. (Der größere Rückstand efolgte allmählich von der Mitte des 18. Jahrhunderts an.) Zuerst erforderten die Aufgaben der Organisierung des Staates und der Kirche, später die immer höheren Ansprüche der weltlichen und kirchlichen Verwaltung, daß sowohl die kirchlichen wie auch die staatlichen Ämter (diese wurden in den ersten Jahrhunderten voneinander nicht getrennt: die Mitglieder des Klerus, die an ausländischen Universitäten ihre höhere Ausbildung erwarben, versahen gleichzeitig auch die höheren Ämter, die Posten der Kanzleien der Könige und Königinnen) von hoch qualifizierten Personen bekleidet werden sollen. Die Wandlungen der ungarischen Geschichte ermöglichten - wie allgemein bekannt - lange Zeit nicht, daß das Land eigene Universitäten besitzt; die wenigen Gründungsversuche des Mittelalters scheiterten jeweils nach einigen Jahren. Um den immer größeren Bedarf der ungarischen Gesellschaft an höher qualifizierten Intellektuellen zu befriedigen, blieb der einzige, natürlich viel kostpieligere Weg des Studiums an ausländischen Universitäten (in Paris, Wien, Krakau, Bologna, Padua).
Aufgrund der Prinzipien „Sola fide" (die Seligkeit ist allein durch den Glauben zu erreichen) und „Sola Scriptum" (allein die Heilige Schrift kann die Quelle der christlichen Glaubenswahrheiten sein) faßte die Reformation den wesentlichen Grundsatz: Jeder Mensch muß persönlich zu der Wahrheit gelangen, die allein in der Heiligen Schrift, in der Bibel enthalten ist. Daraus folgt die Forderung nach der gründlichen Kenntnis der Heiligen Schrift, deren ganzen Text jeder Mensch lesen und lesen lassen soll, weil man sich nur dadurch im evangelischen Glauben bestärken kann. Zum Erreichen dieses Ziels braucht man Schulen, Bibelübersetzungen (diese trugen zur Herausbildung der ungarischen Literatursprache bei), Druckereien (diese standen größtenteils ebenfalls im Dienst der Reformation), Lehrbücher. Die Schule ist natürlich keine Erfindung der Reformation, aber es gehörte zu den wesentlichen Glaubensprinzipien der Reformation, daß die Kirche die Aufgabe hat, alle Menschen zur Fähigkeit des Lesens, zur Erwerbung der Grundbildung und zum freieren,
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