Bővebb ismertető
Die Jahrzehnte, die seit Bartóks Tod vergangen sind, haben deutlich bewiesen, daß sein Werk nicht mit ihm vergangen ist. Nur für wenige große Meister der Musikgeschichte gilt, was wir über Bartók sagen können: Seine menschlichen Züge verblassen nicht mit den Jahren, im Gegenteil, aus je größerer Entfernung wir seine Laufbahn betrachten, um so klarer, schärfer und nuancierter zeichnet sich sein Porträt ab.Daß dem so ist, haben wir ohne Zweifel zum großen Teil der internationalen Bartók-Forschung zu verdanken. Wir erfahren immer mehr über die Quellen seines Werks und über die innere Ordnung seiner Werkstatt", die sich zu seinen Lebzeiten noch nicht abzeichnete. Wir wissen heute bereits über fast jede seiner Lebensäußerungen und fast über jeden Tag seines Daseins, das vierundsechzig und ein halbes Jahr umfaßte, auf das genaueste Bescheid. Und langsam formieren sich die zahlreichen Einzelinformationen zu einer Kette, die eine logische Motivierung und Erklärung für Bartóks Taten, Entschlüsse und Äußerungen bietet. Doch diese großangelegte Forschung ist eher die Folge als die Ursache des Bartókkults, der in unseren Tagen ständig an Bedeutung zunimmt. Die Wurzeln reichen tiefer: Immer mehr Menschen verstehen Bartóks Schaffen die einzelnen Werke und die allgemeine Aussage seines Gesamtwerks , immer mehr Menschen entdecken in seiner Musik ihre eigenen Empfindungen, Sehnsüchte, Ängste und unausgesprochenen Gedanken. Und immer mehr Menschen möchten alles über den Schöpfer dieser Werke erfahren.Alles, was sich mit Worten ausdrücken läßt: das aber authentisch und genau. Nicht in romantischer Verklärung, denn für die romanhaften Künstlerbiographien hat unsere Zeit nichts mehr übrig. Wer mit Bartók alle Höllen und Himmel durcheilte, wer mit ihm alle Qualen der Zeit durchlebte und von ihm an die Zukunft glauben lernte, wird wohl kaum Freude an einer künstlich aufpolierten literarischen" Nachahmung des wirklichen Dramas haben, das Bartóks Leben bildete. Die gleichen antiromantischen Kräfte, die die neue Musik unserer Zeit entstehen ließen, erweckten auch im Leser das Bewußtsein, daß es nichts Aufregenderes gibt als die Wahrheit, als die Welt der Tatsachen. Dieser Anspruch auf Wirklichkeit rief eine für die Gegenwart charakteristische, immer mehr an Bedeutung gewinnende Gattung ins Leben: die literarische Dokumentation, die die Schönheit wissenschaftlicher Exaktheit und Vollständigkeit mit dem auswählenden und formenden künstlerischen Geschmack vereint. Doch unabhängig von den Forderungen der Zeit: es wäre an sich unmöglich, das Porträt Béla Bartóks ohne den inneren Anspruch auf die Erforschung und das Aussprechen der unstilisierten Wirklichkeit zu zeichnen. In dieser Beziehung bot Bartók selbst mit seinem Leben und seiner Arbeit ein mahnendes Beispiel: er war die Verkörperung der Wahrheit und der leidenschaftlich-strengen Sachlichkeit, im Ganzen ebenso wie in jedem einzelnen Detail. Der Dichter und Ästhetiker Béla Balázs, der das Textbuch für zwei Bühnenwerke Bartóks schrieb, drückte das sehr präzise aus, als er seinen Erinnerungen an Bartók den Titel gab: Der unteilbare Mensch".Den Lebensweg dieses unteilbaren Menschen, dieses Künstlers und Gelehrten mit kristallklarem und kristallhartem Charakter wollen wir nun mit Hilfe von einigen hundert Bilddokumenten verfolgen. Es ist, als liefe ein Film vor uns ab: Wir sehen den fünfjährigen Knaben (geboren am 25. März 1881 in Nagyszentmiklós), den Gymnasiasten und Hochschüler, den jungen Komponisten, den weltreisenden und weltberühmten Künstler auf dem Gipfel seines Ruhms und schließlich den körperlich bereits geschwächten Mann, der mit der tödlichen Krankheit ringt, aus dessen Augen aber bis zum letzten Augenblick das Feuer des Geistes leuchtet (Bartók starb am 26. September 1945 in New York). Über sechs Jahrzehnte hinweg verfolgen wir also Bartóks Laufbahn und versuchen, die einzelnen Züge zu einem allgemeinen Bild zusammenzufassen.7