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BEMALTES PORZELLAN
Eine Fülle von Vorstellungen läßt sich mit diesen zwei Wörtern verknüpfen. Vom zurückhaltenden Dekor, der eine schlichte Gebrauchsform freundlicher gestaltet, reichen sie bis zum prächtig geschmückten Zierstück eines Festraumes; sie umfassen Malereien, die bewußt dem Gefäß angepaßt sind und das strahlende Weiß der Glasur zur Geltung kommen lassen, ebenso wie andere, welche den Malgrund völlig zudecken und deudich dem Vorbild der Tafelmalerei nacheifern. Neben künstlerischen Meisterwerken—die keineswegs prunkvoll sein müssen—entstanden anfechtbare Arbeiten, besonders dann, wenn große Leistungen vergangener Epochen unverstanden und möglichst noch „wohlfeil" nachgeahmt werden sollten. Schier unübersehbar ist die Fülle der Sujets, die in die Porzellanmalerei Eingang fanden. Schließlich gesellt sich noch die ebenso mannigfaltige Schar der Porzellanfiguren und -gruppen hinzu; denn vor dem Beginn des Klassizismus, also in ihrer eigendichen Blütezeit, waren jene in der Regel auf eine Bemalung hin entworfen, selbst wenn diese nicht immer zustande kam.
Porzellan ist die technisch am höchsten entwickelte Tonware; zusammen mit dem Steinzeug zählt es zu den hochgebrannten und für Flüssigkeiten undurchlässigen Tonwaren. Darüber hinaus weist es weitere vorteilhafte Eigenschaften auf: einen hohen Härtegrad sowie Widerstandsfähigkeit gegen Temperaturschwankuii^en und Säuren; schließlich ist seine Glasur wesendich haltbarer als die von Fayence und Steingut, da aus den gleichen Substanzen wie der Scherben zusammengesetzt. Diese Rohstoffe sind das feuerbeständige Kaolin und die schmelzbaren Flußmittel Quarz und Feldspat. Im Garbrand werden sie bei 1450 bis 1530 Grad Celsius bis zur Weißglut erhitzt und ergeben eine dichte, glasige und weitgehend amorphe Masse. Verglichen mit anderen Tonwaren weist das Porzellan einen hohen Grad von Bildsamkeit auf; es kann zu hauchdünnen Gefäßen ebenso ausgeformt werden wie zu zarten, kleinteiligen Figuren. Vielfältig sind seine Verzierungsmöglichkeiten. Zwar die Zahl der Unterglasurfarben, die dem Garbrand standhalten, blieb bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts gering. Um so zahlreicher sind dagegen die Aufglasurfarben, die in einem besonderen Brande bei ungefähr 800 Grad Celsius, durch feuerfeste „Muffeln" geschützt, der Glasur aufgeschmolzen und dadurch gegen atmosphärische Einwirkungen so gut wie unempfindlich werden. Im Rahmen einer Bildmappe ist es unmöglich, das Thema „Bemaltes Porzellan" in seiner ganzen Vielfalt darzustellen. Deren Anliegen kann es vielmehr nur sein, dem Betrachter die Schönheit künstlerisch gestalteten Porzellans vor Augen zu führen und ihn zu eigener Beschäftigung mit diesem reizvollen Gebiet des Kunsthandwerks anzuregen.