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Diesmal Keine Latrinenparole -
Ein Lederkoppel -
Und Karins Merkwürdiger Blick
Mai 1946. - Auf einer Bahnstation in Kärnten stand ein riesiger Zug. Die Lokomotive dampfte bereits. Diesmal war es wirklich keine Latrinenparole; es ging nach Hause! Keiner der etwa zweitausend deutschen Kriegsgefangenen überhörte die Aufforderung: »Einsteigen!« Komfortabel war es nicht im Inneren der Güterwaggons. Doch keinen störte das. Wenn sich jeder einschränkte, würden wir die Nächte sogar hegend verbringen können. »Meine Mutter wird vor Freude ohnmächtig, wenn sie mich wiedersieht«, lachte ein Milchgesicht von knapp achtzehn Jahren.
»Hoffentlich leben noch alle«, rätselte ein Vierzigjähriger, »fast zwei Jahre habe ich nichts mehr von Zuhause gehört.« In einer Ecke sang jemand: »Nach der Heimat möcht' ich wieder.« Nach dem zweiten Vers brach er ab. Keiner hatte mitgesungen.
»Frißt der Kerl schon seine Apfelsinen! Ich verwahre sie bis zu Hause; auch die Schokolade. Glaubt ihr vielleicht, in Deutschland gibt es noch so etwas?« Drei Apfelsinen und fünfzig Gramm Schokolade hatte jeder Kriegsgefangene als zusätzliche Marschverpflegung erhalten. Für die knapp 1200 km brauchte unser Zug fünf Tage und fünf Nächte. Die meisten von uns hatten fünf Jahre und länger noch auf die Freiheit gewartet. Was zählten dagegen diese paar Tage!
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