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Nur wenige IVIuseen der Welt vereinen so zalilreidie kmist-historisdie und ardiäologisdie Sammlungen wie die Staatlichen Museen zu Berlin. Versucht man, ihre Schätze zu einer Gesamtschau zusammenzufassen, entrollt sich ein Panorama vielfältigen künstlerischen Schaffens, das in Werken der Kleinkunst wie der Monumentalarchitektur, der Malerei wie der Plastik fast sedistausend Jahre kulturgesdiichtlidier Entwicklung von der westlichen Peripherie Europas bis zum fernen Ostasien widerspiegelt.
Schon 1830 bezeichnete Friedrich Waagen, der erste Direktor der Gemäldegalerie, die »Gewährung ästhetischen Genusses und Belehrung« als Hauptaufgaben der damals gerade gegründeten Berliner Museen. Heute steht das Bemühen, jede Kunstäußerung aus ihrer Entstehungszeit heraus verständlich zu machen, mehr denn je im Vordergrund der Museumsarbeit. Einem solchen Anliegen entsprang die Absicht des langjährigen Generaldirektors der Staatlichen Museen zu Berlin, Professor Gerhard Rudolf Meyer, diese Schatzkammer der Kunst in einem Bildband durch erlesene Aufnahmen im Verein mit eingehenden Bildbeschrei-btmgen vorzustellen, ein Vorhaben, das der namhafte Wissenschaftler und Museumsfachmann kurz vor seinem Tod 1977 in Angriff nahm. Seine Frau Katharina Meyer vollendete es gemem-sam mit einem großen Kollektiv von Museumsmitarbeitern.
Die Vielzahl und der Reichtum der Sammlungen erschwerten die Auswahl der Objekte, die dieser Band dem Leser nahebringen will. Nicht allein die weltweit bekannten, schon durch ihre museale Einmaligkeit faszinierenden Kunstgüter wie der Große Ahar von Pergamon sollen gewürdigt werden, sondern auch Meisterwerke der Kleinkunst, deren verborgene Schönheit sich nur dem aufmerksamen Betrachter erschließt. Eine Begrenzung auf zehn Bildteile war unerläßlich. Diese BUdteile erfassen das Ägyptische Museum mit der Papyrussammlung, das Vorderasiatische und das Islamische Museum, die Antikensammlung, das Museum für Ur- und Frühgeschichte, die Frühchristlichbyzantinische und die Ostasiatische Sammlung, die Gemäldegalerie, die Skulpturensammlung und die Nationalgalerie. Außerhalb des Betrachtungsteides mußte das Kunstgewerbemuseum bleiben, das 1963 im Schloß Köpenick eine dem Charakter der Ausstellungsstücke entsprechende Heimstätte erhalten hat. Alle anderen Sammlungen, zu denen noch das Münz- und das Kupferstichkabinett gehören, sind auf der sogenannten Berliner Museumsinsel vereint.
Umflossen von Spree und Kupfergraben, liegt diese Insel im Zentrum der Hauptstadt der DDR. Vor dem Besucher, der sich dem Museumskomplex vom Marx-Engels-Platz aus nähert, breitet sich eines der schönsten Architekturdenkmäler Berlins aus: das Alte Museum (Abb. S. 8/9). Die etwa 87 Meter breite Fassade mit 18 ionischen Säulen, der gewaltige Kuppelsaal, die klare Gliederung aller Bauelemente und der ausgewogene figürliche Dekor weisen es als Werk einer der bedeutendsten und
umfassendsten Persönlichkeiten klassizistischer Baukunst m Deutschland aus, des Architekten und Malers Karl Friedrich Schinkel. Er schuf, von antikem Gestaltungswillen bestimmt, die Pläne für diese früheste Baulichkeit auf der Spreeinsel.
Den Grundstock der Museumsbestände bildete das Kunstgut der brandenburgischen Kurfürsten, das seit dem Ende des 17. Jahrhunderts im Berliner Schloß unter der Bezeichnung »Kunstkammer« vereinigt war und unter anderem das Antiken-und das Münzkabinett sowie eine Naturaliensammlung umfaßte. Im 18. Jahrhundert kamen, allerdings noch weitgehend vom Zufall bestimmt, Neuerwerbimgen hinzu, deren bedeutendste wohl eine antike Bronzestatue ist, die als »Betender Knabe« noch heute in der Antikensammlung viele Bewunderer findet (Abb. S. IOC).
Bereits Ende des 18. Jahrhunderts äußerten dem Geist der Aufklärung verbundene Bürger den Wunsch, diesen Kunstbesitz, auch wenn er, gemessen an dem anderer europäischer Fürsten, emen bescheidenen Umfang hatte, der Allgemeinheit zugänglich zu machen und ein öffentliches Museum einzurichten. Mit dem Reifen des Nationalbewußtseins in den Jahren der Befreiungsbewegung fand dieser Gedanke neue Anhänger, und 1822 sah sich der preußische König Friedrich Wilhelm III. schließlich veranlaßt, ein geeignetes Gebäude dafür im Zentrum Berlins projektieren zu lassen.
1830 konnte das Ahe Museum eingeweiht werden. Es nahm damals die Gemäldegalerie, das Kupferstichkabinett, eine Sammlung antiker Skulpturen, das sogenannte Antiquarium (antike Kleinkunst und Münzkabinett) und eine Gipsformerei auf. Fünfzehn Jahre später schon machte sich eine Erweiterung der Räumlichkeiten notwendig. Hinter dem Schinkelbau entstand in den Jahren 1843-47 das Neue Museum, dessen Entwurf von August Friedrich Stüter stammte, einem Schüler Friedrich Schinkels. Hier kamen, neben anderen Sammlungen, auch die ägyptischen Altertümer zur Ausstellung, die bereits seit 1823 aus vei-schiedenen Kollektionen im Schloß Monbijou zusammengeführt worden waren. Das dritte Gebäude auf der Museumsinsel wurde., wiederum nach Plänen August Stülers, von Hem-rich Strack in Form eines korinthischen Tempels errichtet (Abb. S. 10) und ist seit seiner Eröffnung 1876 Domizil für die Nationalgalerie. Das Reiterstandbild, das sich über der mittleren Balustrade der beidseitigen Freitreppe erhebt, stellt den damaligen Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. dar.
Noch waren die Berliner Museen weit davon entfernt, gleichbedeutend neben anderen großen Sammlungen Europas bestehen zu können. Das änderte sich, als Ende des vorigen und Anfang diesen Jahrhunderts durch die aktive Teilnahme von Museumsmitarbeitern und Universitätsgelehrten an archäologisdien Grabungen in Ägypten, Griechenland und Vorderasien Kunstschätze in reicher Zahl nach Berlin gelangten. Wenn sich die Museen auf der Spreeinsel nunmehr innerhalb kurzer Zeit zu einer Sammlungsstätte von Weltgeltung entwickelten, so ist das ein