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Berliner Beiträge zur Hungarologie 10. [antikvár]

G. Béla Németh, Peter Canisius

 
G. Béla Németh (Budapest) Über drei Phasen in der ungarischen Literaturgeschichtsschreibung____ Der erste ungarische Literaturkritiker, den wir auch im modernen, heutigen Sinne als solchen betrachten dürfen und sollten, war ein grofier Dichter im ersten Vierlel des vorigen Jahrhunderts, namentlich Ferenc Kölcsey. Als Anhánger von Kant besaft er eine bedeutende philosophische Kultur. Aus der Kantschen Philosophie, aber mehr noch aus den theoretischen Werken des deutschen Klassizismus und der deutschen Romantik hatte er seine Prinzipien...
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G. Béla Németh (Budapest) Über drei Phasen in der ungarischen Literaturgeschichtsschreibung____ Der erste ungarische Literaturkritiker, den wir auch im modernen, heutigen Sinne als solchen betrachten dürfen und sollten, war ein grofier Dichter im ersten Vierlel des vorigen Jahrhunderts, namentlich Ferenc Kölcsey. Als Anhánger von Kant besaft er eine bedeutende philosophische Kultur. Aus der Kantschen Philosophie, aber mehr noch aus den theoretischen Werken des deutschen Klassizismus und der deutschen Romantik hatte er seine Prinzipien bezogen. In seine Betrachtungen und Urteile waren jedoch neben den Prinzipien der künstlerischen Formgestaltung stets auch die Gefíihlswelt, der menschliche Charakter sowie die einzelmenschlichen und gesellschaftlichen Zielstellungen der Autoren bzw. der Werke einbezogen. Kölcseys Freund und Mitkampfer József Bajza war in seinem Urteil bereits mehr dem französischen Klassizismus und der Aufklárung verpflichtet und zeigte weniger Verstándnis fur die individuellen Züge und Werte der Werke sowie für die Gefíihlswelt und das Verhalten der Autoren. Daher haftete seiner Kritik stets etwas Schulmeisterliches an. Der beste Kritiker der Jahrhundertmitte war der zugleich bedeutendste Dichter des ganzen Zeitraums: János Arany. Aus den unteren Schichten der Gesellschaft war er eigentlich als Autodidakt aufgestiegen, der nicht nur deutsch, englisch, französisch und lateinisch las, sondern auch des Griechischen machtig war und die Publikationen aller fremdsprachigen Zeitschriften, derer er habhaft werden konnte, aufmerksam verfolgte. In seiner Kritik stand er dem sehr nahe, was wir heutzutage Strukturalismus nennen würden, und zwar von der hermeneutischen Art. "Für mich ist die Komposition das wichtigste, der sprachliche Bau der literarischen Rede" heiftt es bei ihm. Das heiftt, ihn interessierte die Art und Weise wie ein Autor aus Wörtern und Satzen Stnikturen zu schaffen vermochte die als wahrhaft poetische Redestnikturen gelten konnten, und in seinen Kritiken ging er háufig so vor, daíi er die Schafíung solcher poetischer Redestnikturen durch den Umbau gegebener Texte demonstrierte. Nun beabsichtige ich hier freilich nicht, über einzelne Kritiker zu sprechen, sondern über Richtungen in der ungarischen Literaturgeschichtsschreibung.

Termékadatok

Cím: Berliner Beiträge zur Hungarologie 10. [antikvár]
Szerző: G. Béla Németh Peter Canisius
Kiadó: Szerzői kiadás
Kötés: Ragasztott papírkötés
Méret: 150 mm x 210 mm
G. Béla Németh művei
Peter Canisius művei
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