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Emil H a r g i 11 a y (Budapest) Zur Geschichte der deutschen Literatur in Ungarn:Johann Weber (1612-1684) Johann (János) Weber gehört zu den interessanten literarischen Persönlichkeiten Ungarns im 17. Jahrhundert. Der im oberungarischen Eperjes (Presov) ansassige lutheranische Arzt und Apotheker, der zugleich das Ami des Oberbürgermeisters (nach der in Ungarn üblich gewesenen Terminologie: ObeiTichter) der Stadt bckleidete, hinterlieB vier gedruckte Werke. Sein Buch gegen die Pest wurde sowohl in dcutscher als auch in ungarischer und slowakischer Fassung veröffentlicht1, und 1668 erschien seine dcutschsprachige Arbeit über das Stadtwappen von Eperjes2. AuBerdem verfaBte er zwci Fürstenspiegel. Die Nachwelt schenkte ihm dennoch kaum Beachtung: mit einzelnen Abschnitten seiner Biographie beschaftigen sich nur einige wenige Arbeiten.- Sein Name wurde weder in die 1972 erschienene Bibliographie zur ungarischen Literaturgeschichte noch in die von der Ungarischen Akademie der Wissenschaften erarbeitete Literaturgeschichte noch in das dreibandige Lexikon der ungarischen Literatur aufgenommen.4 Dieser Umstand liiBt sich kaum dadurch erklaren, daB von den erwahnten vier Werken nur eines auch in ungarischen Sprache erschien, galt doch in der altén ungarischen Literatur vor der Zeit der Aufklarung ein weiterer Literaturbegriff. Nach der damaligen Literaturauffassung sind auch die in Ungarn entstandenen nicht-ungarischsprachigen literarischen Werke sowie solche, die nicht in den engeren Kreis der ausgesprochen belletristischen Prosa gchören, organischer Bestandteil der ungarischen Literatur. Wegen der bekannten historischen Umstande gab es im 17. Jahrhundert in Ungarn kein literarisches Leben, keine Zeitung, kein Theater; die Mehrheit der ungarischen Autoren widmete sich der Literatur nur am Rande, schrieb dann aber bisweilen in zwei, drei Sprachen. So dürfte das Wirken Webers nicht nur für die ungarische, sondern - aufgrund seiner Deutschsprachigkeit und seiner kulturellen Kontakté - auch für die deutsche und österreichische Literaturgeschichte interessant sein.