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DIE DAME
ein gässchen in Lourdes: die Rue des Petits-Fossés [Kleine Grabenstraße]. Die Häuser dort sind alt und dicht zusammengedrängt wie eine fröstelnde Herde bei Kälte. Eins von ihnen ist das »Haus Sajous«. Es ist nichts anderes als das alte Gefängnis von Lourdes [Bild S. 49].
Sajous, von Beruf Steinmetz, ist sein Besitzer. Er hat den ersten Stock und das hellste Zimmer im Erdgeschoß für sich behalten und aus Barmherzigkeit der Familie Soubirous, mit der er entfernt verwandt ist, eine elende Zelle überlassen, in die man früher die Verbrecher einsperrte - und deren eisenvergitterte Fenster auf einen kleinen, dunklen, übelriechenden Hof hinausgehen : den reinsten Brunnenschacht, der im Schatten des Burgfelsens verborgen liegt. Die Wohnung der Soubirous wird gewöhnlich in Lourdes »le Cachot« - der Kerker - genannt. Und mitfühlende Seelen der Stadt behaupten, selbst Tiere hier unterzubringen sei grausam. Dennoch läßt man in einem Verschlag von drei zu vier Metern eine ganze Familie leben : den Vater François Soubirous; die Mutter Louise, geb. Castérot; das älteste Kind Bernarde-Marie, vierzehn Jahre alt, dem man den familiären Kosenamen Bernadette gibt ; Toinette, im Familienkreise Marie genannt, elf einhalb Jahre alt; Jean-Marie, sechseinhalb Jahre alt; Justin, drei Jahre alt. In diesem winzigen, dunklen Steinkäfig mit niedriger Decke, durch die die Feuchtigkeit sickert, mit verräucherten, geborstenen, schimmligen Wänden, leben sechs Menschenkinder eingesperrt, während die kleine Stadt Lourdes der frischen, sauberen, gesunden, vom Winde gereinigten Luft weit geöffnet ist [vgl. Bild S. 64] Zu Beginn ihrer »Einweisung« ins Cachot verfügen die Soubirous alles in allem über eine Anrichte, ein Bett und einen Stuhl. Die Strohsäcke wurden auf den abgenutzten Steinfußboden gelegt, und ein flacher, an einem zugestopften Fenster vorspringender Stein diente den Hausbewohnern als Tisch. Kein Holz im Kamin, denn die Familie Soubirous ist stolz und
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