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»Pictoribus atque poetis quidlibet audendi semper fűit aequa potestas.« Horaz, Ars poetica (Deutsch von Christoph Martin Wieland: »Wie? Ist den Malern und Poeten nicht von jeher freigestanden, alles, was sie wollen, zu \vagcn?«) Das Venedig der Kindheit und Jugend Canalettos, das Vcnedig des zweiten Viertels des 18. Jahrhunderts alsó, dessen Glanz als politische Macht bereits erloschen war, záhlte gleicluvohl noch immer zu den wichtigsten und berühmtesten Stádten Europas. Im Laufe der beiden vorangegangenen Jahrhunderte hatte es...
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»Pictoribus atque poetis quidlibet audendi semper fűit aequa potestas.« Horaz, Ars poetica (Deutsch von Christoph Martin Wieland: »Wie? Ist den Malern und Poeten nicht von jeher freigestanden, alles, was sie wollen, zu \vagcn?«) Das Venedig der Kindheit und Jugend Canalettos, das Vcnedig des zweiten Viertels des 18. Jahrhunderts alsó, dessen Glanz als politische Macht bereits erloschen war, záhlte gleicluvohl noch immer zu den wichtigsten und berühmtesten Stádten Europas. Im Laufe der beiden vorangegangenen Jahrhunderte hatte es erheb-lich von seinem einstigen Gewicht eingebüBt: Kriege mit feind-lichen Staaten auf dem Kontinent und im Nahen Osten führten zu einer Schrumpfung der Republik, und jeder Versuch, die politische Bedeutung wiederzugewinnen, wurde entschlossen durch dic Türkéi, Österreich und den Vatikan vereitelt. Dicse schwache Position in der internationalen Aréna zog jedoch nicht den wirt-schaftlichen Verfall Venedigs nach sich, vielmehr waren seine Handelsbeziehungen weiterhin lebhaft und die Industrie hoch entwickelt. In dem Lagunenstaat herrschte, wie in den meisten europáischen Lándern, ein Feudalsystem, das hier jedoch seine besonderen Formen fand. Venedig war eine Republik, in der die gesamte Macht in den Hánden der Aristokratie und des reich gewordencn niederen Adels ruhte. Aus ihren Reihen wurde der Dogé gewáhlt. Obzwar die Feudalherren die Macht besaBen, miBbrauchten sie sie nicht gegenüber dem Bürgertum, das - clank seinen Aktivitáten in Handel und Industrie gewandt und vermögend - die wirt-schaftliche Stütze der Republik bildete. Mit ihr muBte die Aristokratie rechnen. Ohne Kenntnis dieser ökonomischen und gesellschaftlichen Faktorén könnte man schwerlich verstehen, weshalb in einem politisch schwachen Staatsgebilde nach einer gewissen Zeit der Stagnation im 17. Jahrhundert plötzlich Kultur und Kunst neu erblühten. Dies war vor allém dem venezianischen Bürgertum zu verdanken, seiner Lebenskraft, seinen Fáhigkeiten sowie seinen verháltnis-máBig fortschrittlichen Anschauungen. Diese Faktorén bewirkten, daB Venedig im 18. Jahrhundert nicht nur das bedeutendste kultu- relle Zentrum des damaligen Italien darstellte, sondern eine der kulturellen Metropolen ganz Europas. Es war bereits berühmt wegen seiner Musik und wegen seines Theaters; nun erlebten auch Architektur, Plastik, Maierei und Kunsthandwerk eine Periode der Bliite. Das Bild Venedigs zu dieser Zeit wáre unvollstandig, wollte man nicht auch des bezeichnendcn Umstandes Erwáhnung tun, daB die Inselrepublik damals zu dem wurde, was sic bis hcute blieb: ein Zentrum des europáischen Tourismus. Dazu verhalfen ihr vor allém die Schönhcit und der Zauber der Stadt, die zahlreiche Reisende aus aller Welt anzogen, unter ihnen nicht wenige Kunst-kenner. Alle Fremden wollten, wenn sie wieder abfuhren, eine Erinnerung an ihren Aufenthalt in Venedig mitnehmen: ein Bild mit einer Stadtansicht, eine sogenannte Vedute. Es war das ein Gemalde mittleren oder kleinen,fast immer queroblongen Formats,das einen Teil der Stadt mit seiner Bebauung darstellte. Die wichtigste Rolle kam dabei der Architektur zu:Wir sehen herrliche Gebáude, die in derSonne glánzen und deren Silhouetten sich imWasser der Kanálé oder des Meeres spiegeln; Plátze und StraBen sind von Menschen-gruppen belebt, iiber das Wasser gleiten Barken, Boote und Gondéin mit Ruderern und Passagieren. Diese Staffage ist das farbenpráehtige Supplement der Architektur. Diesen Typ der venezianischen Vedute pflegte Antonio Canal (1697-1768), dem man den Beinamen Canaletto gab. Er verlieh seiner Maierei eine eigene Note, die vor allém durch das hohe technische Niveau der Ausführung charakterisiert ist: durch leichte, sichere Pinselstriche und die ungewöhnlich treffende Wahl der Farben, die er mit Glanzlichtern zum Leuchten brachte. Dieser Maierei mangelte es nicht an einer gebührenden Dosis Realismus, Wahrhaftigkeit und Naturtreue in der Wiedergabe der Wirklich-keit. Die Nachfrage nach Veduten wuchs mit der Entwicklung des Tourismus. Der venezianischen Werkstatt des Antonio fiel es immer schwerer, die Auftráge zu erfiillen, zunehmend hatten neben dem Meister auch Schüler an der Fertigstellung der Bilder Anteil. Der zu dieser Zeit in Európa bereits berühmte Maler suchte, da er kinderlos war, nach Sitté der italienischen Künstlerfamilien einen Nachfolger im Kreise der ihm náchsten Menschen. Seine Wahl fiel auf Bernardo, den Sohn der einzigen Schwester Fiorenza, die mit Lorenzo Bellotto verheiratet war. Allmáhlich fing man an,

Termékadatok

Cím: Bernardo Bellotto genannt Canaletto [antikvár]
Szerző: Helena Kozakiewicz Stefan Kozakiewicz
Kiadó: Henschelverlag Kunst und Gesellschaft
Kötés: Fűzött kemény papírkötés
Méret: 240 mm x 270 mm
Helena Kozakiewicz művei
Stefan Kozakiewicz művei
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