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Bei Sonnenaufgang kam ich wieder ans Licht. Merkwürdig ist alles, was dórt in dér Tiefe seit jenem Tag geschehen ist, als ich Yarince zum letzten Mai sah. In dér Totenfeier sagten die Altén, dafi ich nach Tlalocan reisen werde, den Gárten ewigen Frühlings im Osten, dem Land des Grüns und dér Blumen, die sanfter Regen streichelt. Doch dann lag ich jahrhundertelang alléin in einer Höhle aus Erde und Wurzelwerk und sah staunend meinem Körper zu, dér langsam zu pflanzlicher Natúr wurde. Hunderte von Jahren, in denen ich die Erinnerung an Kürbisrasseln wachhielt, an Pferdegetrappel, Aufruhr, Lanzen, an die Angst, zu verlieren und an Yarince und seinen sehnigen Rücken. Seit Tagén schon hörte ich den Regen, wie er sich erst in kleinen Rinnsalen, dann in grófién unterirdischen Strömen meiner jahrhundertealten Wohnung náherte, sich Gangé öffnete, mich durch die feuchte, durchlássige Erde anzog. Ich spürte, dafi ich dér Welt immer náher kam, an den sich verándernden Farben dér Erde erkannte ich es. Ich sah die Wurzeln. Ausgestreckte Hánde, die mich riefen. Und die Macht des Befehls zog mich unwiderstehlich an. So drang ich in den Baum ein, in seine Blutbahnen, ich durchlief ihn wie eine lángé Liebkosung aus Saft und Leben, ein Offnen von Blütenbláttern, ein Zittern von Zweigen. Ich fühlte seine rauhe Rinde und die feine Architektur seiner Aste und dehnte mich in den Pflanzengángen dieser neuen Haut, streckte mich nach so langer Zeit, löste mein Haar und reckte mich dem blauen Hímmel mit den weifien Wolken entgegen, um den Vögeln zuzuhören, die noch genauso singen wie damals. Und ich sang mit meinem vielstimmigen Mund - ich hátte tanzen wollen - und fand meinen Stamm voller Knospen und in meinen Zweigen den Duft von Orangen. Vielleicht bin ich endlich in jenen tropischen Gefilden angekommcn, im Garten von Überílufi und Ruhe, dér stillen, unaufhörlichen Freude derjenigen, die im Zeichen von Quiote-Tláloc sterben, des Herrn dér Wasser... Denn dies ist nicht die Zeit dér Blüte, es ist die Zeit dér Frucht. Doch hat dér Baum meinen eigenen Kalender angenommen, mein eigenes Leben, den Rhythmus anderer