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BILD CHRISTI lm Jahre 451 wurde auf der Kirdienversammlung von Chalcedon ein Brief des Papstes Leo verlesen, der inmitten der aufíeren und inneren Erschütterungen als ein Dokument der Festigkeit und Klarheit, als zusammenfassende und wegweisende Gesetzestafel des christlichen Glaubens wirkte. Von Jesus, dem Gottmenschen, spricht der Brief, und was der grofie Papst über die geheimnisvolle Natúr des Erlösers sagt, ist auch der Kunst aller folgenden Jahrhunderte Grundlage der Gestaltung geworden -: Er, der in dem Seinen unsichtbar ist, ward in dem Unsrigen sichtbar; der Unbegreifliche wollte begriffen werden; der vor aller Zeit war, begann in der Zeit zu sein; der Herr des Alis umschattete seine unbegrenzte Majestat ohne Mafi und nahm Knechtsgestalt an; Gott, der nidit leiden kann, hat es nicht verschmáht, ein Mensch zu sein, der leiden kann; und der Unsterbliche unterwarf sich den Gesetzen des Todes." Indem die Kunst vor der Aufgabe stcht, das Gottliche und Menschliche zugleich auszudrücken, steht sie an der Grenze ihrer Möglichkeiten; denn wie sollte sie, die sinnlich gebundene und endliche, das Übersinnliche und den Unendlichen darstellen, und dazu aus seiner Menschlichkeit heraus? In einem ergreifenden frommen Ringen macht sie sich an das nie vollendbare Werk. Formen zerbrechen dabei; Überlieferungen werden hinfállig. Aber auch neue Formen wachsen heran: eine neue Auffassung des Körpers, der Gebarde, des Raumes. Eine überwaltigende Schöpferkraft wirkt sich aus. Es gibt in der Geschichte der Plastik und Maierei wohl kein zweites Thema, das so wie dieses die Phantasie der Künstler befruchtet, so viele Wandlungen und Entscheidungen heraufgeführt hatte.