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JAHRBUCH DES FUSSBALLS ¦
Vorwort
Wenn man mir die Frage stellt, ob der DFB-Präsident mit den Leistungen des deutschen Fußballsportes in der Saison 75/76 zufrieden sein könne, so muß ich sagen: Ich kann es nicht nur sein, ich muß es sein! Wobei ich gleich anfügen möchte, daß die Erfolge unseres Spitzenfußballs weit über unsere engen Grenzen hinaus fast schon beängstigend sind. Beängstigend, weil aus der Erfolgsserie gar zu schnell ein Erfolgszwang wird.
So gesehen, war es vielleicht nicht einmal so schlecht, daß unsere Nationalmannschaft - zwar unbesiegt in dieser Europameisterschaft - dann doch nicht den Titel gewann. Gewiß - wir hätten den Pokal gerne wieder mit nach Frankfurt genommen. Das Quentchen Glück fehlte dazu. Eines aber sollte man in diesem Zusammenhang einmal sagen: Auch anderenorts in Europa und in anderen Kontinenten wird ein guter, moderner Fußball gespielt
Was mich bei der leisen Enttäuschung, die da ja doch im Innern verborgen blieb, in Belgrad am meisten beeindruckte, war die Haltung unserer Mannschaft, wie sie das Pech verkraftete, wie sie sportlich fair den glücklicheren Spielern gratulierte. Das kann nur eine Mannschaft, die von einem besonders guten Geist beseelt ist. Genau dieser Geist war es auch neben dem großen Können, der sie mit großen Leistungen jeweils ein 0:2 aufholen ließ.
Glänzend auch das Abschneiden unserer Clubs in den verschiedensten Wettbewerben der UEFA. Die Krone gebührt dabei - wer wollte davon auch nur einen Deut abstreichen? - dem FC Bayern aus München. Die Elf um den auch im zurückliegenden Jahr wieder vorbildlichen Franz Beckenbauer schaffte den dritten Sieg hintereinander im Pokal der Meister. Der „Pott" bleibt damit für immer in den Souvenirschränken des renommierten Clubs. Und da ich sehr genau weiß, daß die meisten der UEFA-Of-fiziellen diesmal gerne einen anderen Ausgang gesehen hätten - ganz allein schon, um den „Cup der
Meister" nicht zu eintönig werden zu lassen -, freute mich der Erfolg von Glasgow doppelt.
Auch alle übrigen Clubs unterstrichen durch ihre teilweise begeisternden Spiele - hier denke ich vor allem an das Ausscheiden unseres Meisters Mönchengladbach, obschon kein Spiel verloren wurde (welche Parallele zu Belgrad!) -, daß das Kind von 1963, das sich da „Bundesliga" nennt, inzwischen zu einem ausgewachsenen, starken Mann wurde. Die Bundesliga hat so schnell keine vergleichbare Ebene in Europa.
Was bringt uns das Spieljahr 1976/77? Die Ungewißheit ist genauso Reiz wie das einfache Regelwerk Stärke unseres Fußballsports. Sicher werden sich alle unsere in europäischen Wettbewerben spielenden Clubs bemühen, den deutschen Fußball erneut würdig zu vertreten. Es kann nicht immer ein Europatitel herausspringen; es braucht nicht immer. Unsere Nationalmannschaft aber kennt ihren nächsten Zielpunkt: die Fußball-Weltmeister-schaft 1978 in Argentinien. Auf ihn gilt es hinzuarbeiten
HERMANN NEUBERGER Präsident des Deutschen Fußball-Bundes