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Freunde Humboldts behaupten, er sei ein Mann ohne Alter. Sie bemerken kein unbefangenes, heiteres Ausleben der Jugend, kein Hineinstürzen in extreme Leidenschaften, und auch ein allmähliches Hinauswelken aus der Zeit und ihrem Geschehen ist nicht zu beobachten.
Es scheint vielmehr, als sei Wilhelm von Humboldt geboren worden, mit der Distanz zu leben, und als könnte er nur leben, wenn sich Betrachtungen darüber anstellen ließen. Seinen stets bevorzugten Platz entdeckt er in der Einsamkeit, die der junge Humboldt bildend nennt und ohne die der alte Humboldt nicht mehr atmen kann; seine stets steigende Vorliebe richtet sich fern ab vom Überschwang wechselnder Zeitgefühle auf immer die gleiche Tätigkeit - das Nachdenken über den Menschen, seine Natur und seine Gesellschaft.
Alle Anstrengungen lenkt Humboldt auf die innere Bildung, sucht in sich selbst das Gewicht der Mitte, sieht in der Ruhe die Bewegung, liebt den Streit wegen der Versöhnung, achtet in den Unterschieden die Gemeinsamkeit, schält aus den Antworten die Fragen, sucht überall das Gegenteil und damit den Ausgleich, so daß er seinen Zeitgenossen als ein Mann von Weisheit erscheint, bei dem sich das fortschreitende Alter höchstens in Form einer Philosophie darüber bemerkbar macht.
Humboldt ist belesener, als es die Bildungsnorm seines Standes vorschreibt, ist ernster als andere und auch langsamer mitunter, weil er jeden Schritt mit Nachdenken beginnt. Er hat Freude daran, Jahre hindurch ausschließlich seinen Empfindungen und Gedanken zu leben. Er schont sich nicht, gute und schlechte Erfahrungen anzuhäufen, um ein gültiges Urteil über sich und seine Zeit treffen zu können, und fördert durch sein Interesse an der inneren Bildung ein Ideal zutage, das ein Leben lang Motiv seines Handelns bleibt: sich als Mensch zu verwirklichen, sich selbst zu bestimmen.
Es ist ein Ideal, das Willen braucht und Mut, denn es beherbergt die fortschrittlichen Gedanken der Zeit, die den Menschen entschlossen zum Produzenten der Wirklichkeit erklären, und es ist auch ein kostspieliges Ideal, das den Besitz