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ALOYSIUS REGENBRECHT Zur Idee der Gesamtschule,
Aufgaben und Probleme'
Definition einer Gesamtschule:2
Unter einer Gesamtschule verstehen wir ein Schulsystem, bei dem beim Eintritt noch nicht entschieden wird, zu welchem Abschluß ein Kind geführt wird. - Diese ganz im vorwissenschaftlichen Raum liegende Beschreibung ist das auffallendste Kennzeichen einer Gesamtschule, das bereits Probleme vielfältiger Art ahnen läßt.
Positiv ausgedrückt: Unter einer differenzierten Gesamtschule verstehen wir ein Schulsystem, in dem alle Kinder einer Bildungsstufe zusammengefaßt sind, um im gemeinsamen und getrennten Unterricht die Bildung jedes einzelnen entsprechend seiner Intelligenz bzw. Begabung und seinen Interessen zu fördern.
Damit sind Schul^entren, sogenannte additive Systeme, nicht Gesamtschulen im Sinne dieser unserer Überlegungen.3 Die Forderung: ,,Alle Kinder einer Bildungsstufe" werden wir im Referat selber noch einschränken, hier als Arbeitsbegriff aber zunächst festhalten.
I. Die gegenwärtigen Belastungen unseres Schulsystems
Im Jahre 1959 veröffentlichte der Deutsche Ausschuß für das Erziehungs- und Bildungswesen den bekannten Rahmenplan zur Umgestaltung und Vereinheitlichung des allgemeinbildenden öffentlichen Schulwesens. Der Ausschuß beginnt seine Überlegungen im ersten Hauptkapitel mit dem Thema: Augenfällige Belastungen des bestehenden Schulwesens. Und dort können wir lesen: „Die fühlbarste Belastung des heutigen Schulwesens ist der immer stärker werdende Andrang zu den weiterführenden Schulen." Obwohl die weiterführenden Schulen sich diesem Andrang keineswegs uneingeschränkt öffnen, hat er heute schon zwei bedenkliche Folgen:
1. Die weiterführenden Schulen erhalten eine Schülerschaft, deren Befähigungsdurchschnitt der überlieferten Höhe der Anforderungen nicht mehr voll entspricht. „Daher müssen namentlich die höheren Schulen die - immer notwendige - Dauerauslese heute in einem Ausmaß leisten, das sie schwer belastet. Die Zahl der Schüler,
1 Vortrag auf der Tagung der „Gemeinschaft evangelischer Erzieher im Rheinland" vom 2. bis 5. Januar 1969 in Mülheim/Ruhr. Teile des Referates wurden im Katholischen Erzieher, H. 10, 1968, veröffentlicht.
2 Diese Definition wurde als Arbeitsbegriff der Planung der „Friedensschule" zugrunde gelegt, an der der Autor beteiligt ist. Die Friedensschule ist eine differenzierte Gesamtschule als Ganztagsschule (Fünftagewoche) in freier Trägerschaft des Bistum Münster. Erste konkrete Aussagen über Gesamtschulprobleme sind weitgehend auf diesen Schulversuch bezogen, der am 1. August 1969 beginnen wird.
3 Vgl. dazu auch: Rolff, Hans-G.: Wege zur Gesamtschule, in: MUND, 19/1968, Nr. 125, 2. A., S. 4. „Schulkombinate und Schulzentren, additive, aneinandergefügte und gegliederte Gesamtschulen sollen durchweg Schulzentren heißen. Der Begriff Gesamtschule kann also Schulorganisationen vorbehalten werden, die die herkömmlichen Schulzweige (Hauptschule, Realschule, Gymnasium und Berufsvorschulen) zu einer gemeinsamen Mittelstufe, die bis zum Ende der Schulpflicht reicht, verschmelzen."
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