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VORWORT.
Der Versuch, einem weiteren Leserlcreise ein Bild von den verschiedenen Zügen des Tierlebens zu entwerfen und vor allem dabei hervortreten zu lassen, wie die Lebensweise eines Tieres im engsten Zusammenhang und in steter Wechselbeziehung zu seinem Bau steht, begegnet mancherlei Schwierigkeiten. Gerade dieses Wechselverhältnis, der gegenseitige Einfluß der Organisation auf die Lebensweise und der Lebenstätigkeit auf die Organe macht es unmöglich, dem Leser ein wirkliches Verständnis des Tierlebens zu erschließen, ohne daß ihm der Aufbau des Tierkörpers wenigstens in seinen Hauptzügen bekannt wäre. Nun ist heutzutage das, was die Schulen nach dieser Richtung hin leisten können, sehr wenig. Erst langsam und schrittweise beginnt die Biologie sich eine ihrer Bedeutung würdigere Stellung im Unterricht zu erringen, und ehe das Maß der allgemeinen Vorbildung auf diesem Gebiete dem vergleichbar sein wird, was die Schule ihren Schülern auf sprachlicher, geschichthcher oder mathematisch-physikalischer Seite mitgibt, werden noch Jahre vergehen. So muß jede Darstellung des Tierkörpers zunächst mit einer Erörterung der tierischen Organisation beginnen, wenn sie auf sicherem Boden stehen will. Es ist daher durchaus in der Natur der Sache begründet, daß alle Autoren, die die Tierbiologie — sei es für Schüler, sei es für den weiteren Kreis lücht speziell biologisch vorgebildeter Leser — in elementarer Weise behandeln, den Stoff in zwei Hauptteile gliedern, deren erster das tierische Individuum in seiner Organisation und deren zweiter das Tier als ein Glied der gesamten Lebewelt darstellt.
Aber hiermit sind noch nicht alle Schwierigkeiten gehoben. Die tierischen Organismen zeigen uns bekanntlich nicht alle den gleichen Bau, vielmehr sind innerhalb großer gemeinsamer Grundzüge die Mittel und Wege, auf denen Tiere verschiedener Art zur Befriedigung ihrer Lebensbedürfnisse gelangen, recht mannigfaltige. Gerade die Erkenntnis dieser verschiedenen Wege, die zum gleichen Ziel der Erhaltung des Lebens führen, ist von besonderem Wert für ein wirkliches Verständnis der biologischen Probleme. Es ist daher nötig, die Erörterung der tierischen Organisation vergleichend vorzunehmen, stets die verschiedenen Stämme und Klassen des Tierreiches nebeneinander vorzuführen, um dem Leser hierdurch die Möglichkeit zu bieten, in der Verschiedenheit das Gemeinsame zu erkennen, von den nebensächlichen Zügen das Wesentliche zu unterscheiden. Hier aber begegnen wir einem neuen Hemmnis. Viele der dabei beständig zur Erwähnung kommenden systemati-