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LUST AM FLIEGEN
An einem scheußlichen Januarmorgen sitze ich im Flugzeug nach Teneriffa. Ich bin unendlich müde, hässlich und wütend. Nein, nicht wütend, sauer. Ich bin schrecklich sauer. Auf alles, am meisten auf mich, und das macht mich eiskalt. Ich bin schon viel zu lange sauer. Eine graue Zementmasse macht mich hart. Ich will zu viel Wein trinken und alles Hässliche vergessen. Wie solche Januarmorgen.
Ich habe den Januar schon immer gehasst.
Ich sitze im Flieger, lese Angst vorm Fliegen und versuche, bessere Laune zu bekommen, vielleicht sogar ein Weilchen richtig glücklich zu sein?
Ich bin erst dreißig und schon so verbittert. Ich bin richtig bitterfotzig.
Das war nie so geplant. Ich habe wie alle anderen von der Liebe geträumt. Aber ein Verdacht, der vielleicht eine Einsicht ist, hat sich allmählich in mir ausgebreitet, und er macht tiefe, eitrige Wunden: Wie sollen wir jemals zu einer gleichberechtigten Gesellschaft kommen, wenn es uns nicht einmal gelingt, mit demjenigen gleichberechtigt zu leben, den wir lieben?
Ich bin dreißig, genau wie Isadora in Angst vorm Fliegen, allerdings unendlich viel müder und langweiliger. Die Familienhölle hat mir jegliche Energie genommen, ich bin voller emotionaler Schmutzflecke. Ich könnte sie sein. Ich könnte du sein, Isadora, wenn ich etwas fühlen wür-
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