Bővebb ismertető
Der Tag war ungewöhnlich warm für Ende Mai. Ein kurzer Regen in der Frühe hatte kaum Abkühlung gebracht. Die Luft war schwül, als stünde noch ein Gewitter bevor. Sabine Miller hatte das Fenster des ebenerdigen Schlafzimmers weit geöffnet und sich aufs Fensterbrett geschwungen. Obwohl sie nur einen kurzärmeligen weißen Kittel über Höschen und Büstenhalter trug, war ihr heiß. Sie schüttelte die Sandalen von den Füßen.Das Schlafzimmer war immer schon zu eng für die schweren Möbel gewesen, die noch aus den ersten Ehejahren stammten. Millers hatten geplant, es neu einzurichten, sobald die drückendsten Schulden, die sie für den Bau ihres Hauses hatten aufnehmen müssen, getilgt sein würden. Aber so weit war es nie gekommen. Jetzt mußte auch noch ein Kinderbett hier Platz finden.Ilona, die zwanzigjährige, unverheiratete Tochter, saß auf der Kante des Ehebetts, die dem Fenster zugewandt war, und gab ihrem Baby das Fläschchen. Sie war vollständig angezogen, trug ein schickes, gelbes Polokleid, Perlonstrümpfe, weiße Pumps und wirkte, als wäre sie nur gerade eben auf einen Sprung hereingekommen.Tatsächlich hatte sie den ganzen letzten Monat bei ihren Eltern in Riesberg verbracht. Gleich von der KHnik aus, in der sie ihr Kind zur Welt gebracht hatte, war sie nach Hause gekommen. Inzwischen war ihre Schonzeit abgelaufen, und sie mußte nach München an ihren Arbeitsplatz zurück.Das Fläschchen war leer, und Ilona zog ihrem Baby den Sauger aus dem Mund.Wie gut Katja trinkt! lobte Sabine.Ja, sie ist ein wahrer Schatz. Ich werde sie vermissen. Ilona legte die Hand unter den Rücken der Kleinen, richtete sie auf und hielt sie hoch. Mach ein Bäuerchen! Ein schönes Bäuerchen! Katja verzog das Gesichtchen, als wenn sie sich Mühe gäbe, der mütterlichen Aufforderung nachzukommen.