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Heinrich Kober l
Gleich den strebenden Säulen gotischer Kathedralen ragen die geraden, schlanken Stämme des ernsten Nadelwaldes. Dämmernde Kirchenstimmung liegt unter dem hohen Gewölbe. Das monotone Klopfen eines Schwarzspechts und der schwermütige Flötenpfiff eines einzelnen Dompfaffs lassen die Stille noch deutlicher werden.
Plötzlich verstummt das Klopfen. Der scheue Specht ist in sein Brutloch geschlüpft. Einsam steht noch das selbstvergessene Vogellied über dem dunklen Tann. Nun bricht auch dieses jäh ab. Der Dompfaff schwirrt erschrocken hoch; seine rote Weste und das schwarze Samtkäppi leuchten in der Sonne auf, da er über die Wipfel abstreicht. Mit schattenhafter Lautlosigkeit huscht ein Eichhörnchen an einer der geraden Fichten empor, verhofft auf halbem Wege und äugt neugierig hinter dem Stamm hervor nach dem Herankommenden.
Der Förster von Graudorn setzt, in finstere Gedanken versunken, mechanisch einen Fuß vor den anderen, ohne einen Blick nach oben zu werfen. Am Morgen hatten ihm die Waldarbeiter wieder ein Beweisstück der Wilddieberei gebracht, die in den letzten Monaten schonungslos seinen besten Wildbestand lichtete, ohne daß es ihm bisher trotz anstrengendster Aufmerksamkeit gelang, die Täter zu ertappen. Diesmal war es eine Geiß, die sich weidwund geschossen in ein Brombeergeheck geflüchtet hatte und dort verendet war. Ein in hohen Tönen klagendes Jungreh, das verloren um das Gebüsch herumstrich, hatte die Waldarbeiter auf die Stelle aufmerksam gemacht.
In ohnmächtigem Grimm 'stand der Förster diesem neuerlichen JFrevel gegenüber. Er hatte zahllose Tage damit zugebracht, Spuren zu suchen, er hatte endlose Nachtstunden auf der Lauer gelegen, ohne auch nur