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Gesprách mit der Natúr Man hat das Stilleben die philosophische Gattung innerhalb der bildenden Kunst genannt. Zwar gab es Jahrhunderte, wo unter den Malern und im Geschmack des Publikums die Stillebenmalerei gering eingeschátzt wurde. Der offizielle Kunst-Kanon sah an der Spitze das Historienbild vor, dem folgte die Portrátmalerei, dieser wieder das Landschaftsbild, und am Ende lieB man dann doch noch das Stilleben gelten. Im historischen Rückblick erweist sich diese erniedrigende Einstufung als akademischer Hochmut. GroBe Maler setzten...
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Gesprách mit der Natúr Man hat das Stilleben die philosophische Gattung innerhalb der bildenden Kunst genannt. Zwar gab es Jahrhunderte, wo unter den Malern und im Geschmack des Publikums die Stillebenmalerei gering eingeschátzt wurde. Der offizielle Kunst-Kanon sah an der Spitze das Historienbild vor, dem folgte die Portrátmalerei, dieser wieder das Landschaftsbild, und am Ende lieB man dann doch noch das Stilleben gelten. Im historischen Rückblick erweist sich diese erniedrigende Einstufung als akademischer Hochmut. GroBe Maler setzten sich glücklicherweise immer wieder darüber hinweg. Hier muB J.S.Chardin genannt werden. Er malte im 18. Jahrhundert, dem französisch-höfischen, seine schlichten Stilleben. Der überfeinerte Geschmack des Adels und des reichen Bürgertums entdeckte gerade in der Ubersáttigung die grandiose Schlichtheit dieses Meisters der kleinen Form. GroBzügig wiesen seine Früchte, Blumen und Gegenstánde auf nichts, als auf sich selbst. Chardin hatte in seinen Stilleben die Kunst der Niederlánder des vorausgegangenen Jahrhunderts nocheinmal aufgenommen und zu ihrer letzten Vollendung gebracht. Ihm an die Seite zu stellen wáre dann im 19. Jahrhundert der Meister von Aix. Unter Paul Cézannes Hánden, vor allém in seiner letzten Schaffensperiode, verfestigten sich alle Farben und Formen, ja, die gesamte sichtbare Welt, zum Stilleben. Man hat ihn deswegen der Unmenschlichkeit geziehen, ein Urteil, das sich an den Geschmacksnormen des akademischen Naturalismus seines Jahrhunderts ausgerichtet hatte. Das 20. Jahrhundert dann, Braque und Picasso und zuletzt Giorgo Morandi, habén uns gezeigt, wie menschlich, wie befreiend die Kunst Cézannes war. Seine GröBe bestand eben nicht in der Imitation der Wirklichkeit, sondern im radikalen Bruch mit ihr. Wir wissen heute und habén es in der Schule des Sehens gelernt, daB es geradezu zum Wesen dieser groBen Kunst gehört, mit der Vergangenheit gebrochen zu habén. Darin sind sie sich alle áhnlich: Picasso, Cézanne, van Gogh, Chardin, Rembrandt, Massacio, Giotto. Das Stilleben als philosophische Gattung pflegt den Dialg mit der Ding-Welt und entdeckt dabei ihre übersinnliche, transitorische Qualitát. Es ist ein Fetischismus höchster Art, eine Beschwörung, die gegen die Vergánglichkeit, gegen das Verschwinden der Dinge anrennt. Neben einem areligiösen Kult des Materiellen, der Zelebration eines Mythos des Alltáglichen, wie es Egon Friedell in seiner Kultur-

Termékadatok

Cím: Blumenbilder [antikvár]
Szerző: Rolf Brauchle
Kiadó: Verlag Karl Schillinger
Kötés: Fűzött kemény papírkötés
ISBN: 3921340675
Méret: 220 mm x 220 mm
Rolf Brauchle művei
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