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Annas Nebenjob war Kellnerin, und ihr war scheußlich zumute, als sie jetzt wieder einmal durch das vollbesetzte Restaurant ging - in der einen Hand einen glühendheißen Teller mit Entenbrustscheibchen in Champagner-Trüffel-Soße, in der anderen eine winzige Schale mit Apfelrotkraut. Der beige, fast knöcheltiefe Veloursteppich dämpfte ihre Schritte, aber die Spiegel zeigten gnadenlos eine hochrote Anna Pelzer, die das Feinschmeckerhäppchen, das auf dem Teller wie eine edle Miniatur wirkte, zu einem jungen Mann balancierte. Er saß am Ecktisch hinten links und ließ sie nicht aus seinen Augen.
„Ihr" Speiselokal in der Fifth Avenue im Herzen New Yorks war nicht sehr groß, aber unter den Finanzgewaltigen der Stadt war es ein Geheimtip: Wer sich von anstrengenden Verhandlungen ausruhen und sich dabei in eleganter Atmosphäre mit leichten, aber köstlichen Menüs verwöhnen lassen wollte, der reservierte hier einen der vornehm dekorierten Pflaumenholzti-sche. Der Glanz und die stilvolle Lebendigkeit, die all die Reichen und Mächtigen mit ihren schönen, gepflegten Begleiterinnen verbreiteten, beeindruckten Anna mehr, als ihr lieb war. Sie verlor ihr inneres Gleichgewicht und leider auch ihre Grazie, sobald sie sich nur in einem der verzierten Wandspiegel sah.
„Dieses türkise Schürzchen paßt sicher toll zu den Tischdecken, aber zu mir, der Anna Pelzer aus München, paßt es nicht. Und mit der blöden Propellerschleife im Haar sehe ich aus wie die Freiheitsstatue mit einem türkisen Ufo auf dem Kopf." Und leider lag Anna mit ihrer Selbsteinschätzung nicht einmal so falsch.
Trotz dieser wenig aufbauenden Gedanken hätte Anna es fast geschafft, doch dann sah sie in einem der Spiegel, daß ihr Teller sich leicht nach links neigte. Sie korrigierte das Spiegelbild, und prompt kam die Ente nach rechts ins Rutschen, bis sie schließlich mit einem satten „platsch" auf dem Teppichboden landete.
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