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VORWORTZiel dieses Buches ist es, das innere Verhältnis des Sängers zu seiner Rolle eingehend zu untersuchen und zu zeigen, wie der einzelne Künstler als Sänger und als Darsteller Zugang sucht zu für ihn charakteristischen Rollen. Welche gesangstechnischen Probleme erwachsen aus einer bestimmten Rolle, und welche Emotionen weckt sie in dem Sänger? Bisweilen haben Sänger mit den gleichen Rollen völlig unterschiedliche Ansichten hinsichtlich der darstellerischen Aspekte: Für Plácido Domingo zum Beispiel ist Cavaradossi in Tosca ein eigenständiger, bemerkenswerter Mann - nicht einfach nur Herr Tosca, als der er manchmal gezeigt wird -, während José Carreras ihn uninteressant findet. Samuel Ramey sieht Don Giovanni als einen eleganten, romantischen Mann, leidenschaftlich verliebt in das Weibliche schlechthin, während bei Thomas Allen und Ruggero Raimondi dieser Gestalt etwas Bedrohliches anhaftet. In anderen Fällen zeigen sich Unterschiede in der Gesanginterpretation: Nicolai Ghiaurov ist davon überzeugt, daß die Titelrolle in Boris Godunow melodisch gesungen werden sollte, Paata Burchuladze dagegen hat sich für eine mehr deklamatorische Form entschieden. Renato Bru-son hält den Conte di Luna in II trmatore {Der Iwubadour) für die schwierigste aller Verdi-Rollen, während sie Piero Cappuccilli vor keine gesangstechnischen Probleme stellt.Manchmal allerdings sind sich alle Sänger über spezifische Schwierigkeiten in bestimmten Rollen einig. Alle Tenöre, mit denen ich sprach, betonten, daß die Arie des Herzogs von Mantua, Parmi veder le lagrime, eine der schwierigsten im ganzen Tenor-Repertoire sei, und alle Baritone hielten übereinstimmend die Titelrolle von Rigoletto nicht nur in Hinblick auf den Gesang, sondern auch auf die Darstellungsweise für problematisch. Denn die Körperhaltung eines Buckligen, die der Sänger dieser Partie auf der Bühne einnehmen muß, erschwert die richtige Funktion des Zwerchfells.Vorwort