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OTTILIE VON GOETHE war ein merkwürdiges Menschenkind und wäre im wörtlichen Sinne „würdig" gewesen, „gemerkt" zu werden, auch wenn sie nicht den stolzen Namen Goethe geführt hätte. Doch auch der übertragene zweite Sinn des Wortes — eigenartig und seltsam — paßt auf sie. Wenn man sich näher mit ilirem Leben und Schicksal beschäftigt, fällt einem unwillkürlich der Titel (nicht der Inhalt) von Spielhagens Roman „Problematische Naturen" ein. Das Leben stellte ilir wohl wie jedermann Probleme, wenn dies aber zeitweilig nicht der Fall war, dann hörte sie in sich hinein und schuf sich selbst welche, und zwar so viele, daß sie nie damit fertig wurde und so ihr Dasein vielfach selbst unglücklich und voll stets ungestillter Sehnsucht gestaltete.
Die Bedingungen, unter denen Ottilie ins Leben trat, waren teils günstig, teils aber auch sehr schwierig. Günstig, weil sie zu jener in der damaligen Zeit maßgebenden und überaus bevorzugten Adelsklasse gehörte, denn ihr Vater, der preußische Offizier Freiherr von Pogwisch, entstammte einer uiadeligen Hol-steinschen Familie und ihre Mutter war eine geborene Gräfin Henckel-Donnersmarck. Schwierig wieder, weil das junge Ehepaar bei seiner guten gesellschaftlichen Stellung nicht die Mittel besaß, entsprechend aufzutreten, weshalb die Großmutter Henckel immer gegen diese Heirat ihrer Tochter gewesen war. In der Folge trennte sich das Ehepaar Pogwisch, nachdem zwei