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An Friedrich Kayssler
Breslau, 16. Dezember 1889
Mein lieber Fritj,
glaube mir, daß eine Stunde der Begeisterung mehr gilt, als ein Jahr gleichmäßig und einförmig dahinziehenden Lebens. Die Ruhe ist Dein Feind, sie ist mein Feind, ist der aller Menschen - ich meine die Ruhe der untätigen Behaglichkeit! Ohne Streben kein Erfolg, ohne Feuer kein Brand! Dies will ich nicht aufhören, Dir zu sagen, denn dies ist die Wahrheit und ich bin Dein Freund.
An die Grossmutter Schertel und
ihre Schwester Charlotte Sorau 1889
Ich muß gestehen, meine Neigung zum Soldatenstande oder besser zum Soldatenberufe war nie eine echte, tiefe. Midi hält die Poesie, die Kunst, der Drang nach Wahrheit zu sehr in ihrem Bann ich kann nun einmal nicht anders, es ist wohl diese heiße Liebe zum Schönen das Erbteil der Künstlergeschlechter, aus denen ich stamme So werdet Ihr begreifen, daß ich nach wochenlangen Herzenskämpfen meinen Eltern den Schmerz bereiten mußte, zu erklären, ich könne durchaus nicht die eingeschlagene Bahn weiterverfolgen, ich hätte den festen Entschluß, wenn sie mich wieder zum Gymnasium zurückkehren ließen, dort nachdrücklich zu arbeiten und dann zu studieren.
Ich habe diesen Entschluß noch nicht bereut und hoffe auch für mein ganzes Leben das Richtige getroffen zu haben. Da ich nun in Breslau nicht mehr dieselbe Anstalt besuchen konnte, brachten mir die lieben Eltern das große Opfer und gaben mich hier in Sorau, welches uns sehr empfohlen war, in Pension.