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^ DER LETZTE BRIEF
Ende Oktober 1968
»Krystyna Chylinska ist nicht dein wirklicher Name«, sagtest Du wie beiläufig und ohne auf meine Antwort zu warten. Dabei weiß ich nicht, ob das eine Frage oder eine Feststellung war. Dein Gesicht war undurchdringlich. Nachher, als Du mit einem Freund telefoniertest, erfuhr ich, daß man Dich mit sofortiger Wirkung entlassen hatte. »Was soll s«, sagtest Du, »sie veranstalten eine Hexenjagd.«
All die Jahre habe ich auf diesen Tag gewartet, den Tag der Wahrheit. Ich habe nur nicht gedacht, sie würde sich so offenbaren. Sie trifft Dich von außen und nimmt Dir das Allerwiehtigste in Deinem Leben: die Arbeit. Ich war bereit, die Strafe auf mich zu nehmen, dafür, daß ich die Wahrheit unterschlagen hatte. Aus Angst hatte ich es getan. Aus ganz gewöhnlicher menschlicher Angst oder vielmehr aus der Angst einer verliebten Frau. Das rechtfertigt mich noch weniger, vor allem weil mein Bekenntnis, die Strafe auf mich nehmen zu wollen, dann doch wieder nicht ganz stimmt. Ich war dazu nicht bereit. Davon zeugt meine Anwesenheit bei Dir. Meine Anwesenheit bei Dir seit fünfundzwanzig Jahren
Wie soll ich auf Deine Frage oder Feststellung antworten. Krystyna , dieser Name, den Du so viele Male ausgesprochen hast, haftet an mir und ist mir zur wahren Haut geworden, und obwohl ich keine andere habe, gibt es jetzt Leute, die mich ihrer berauben wollen. Was haben sie Dir gesagt, Andrzej? Wieder leben wir in einer Zeit der Angst
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