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ERSTER BRIEF
Diese Krankheit, o Justus, hat mich vollkommen vernichtet. Früher einmal war ich ein Mann voll Kraft, der den Menschen um sich Sanftmut und Verständnis entgegenbringen konnte. Ich war frei von der ständigen Gereiztheit, der Ungeduld und dem unerträglichen Zwang, fortwährend vor anderen zu klagen. Erst jetzt entdecke ich in mir diese häßlichen Merkmale eines gehetzten Wesens, das wie eine wilde Rebe auf jeden Zaun zu klettern bereit ist und es jedem Zaun nachträgt, daß er sie nicht hoch genug gegen die Sonne hebt. So vieles habe ich mir früher einmal zu versagen vermocht. Heute halte ich kaum die vorgeschriebenen Fasten ein. Ich gebe auch zu: Ich habe heute mit niemandem Nachsicht. Immer fremder werden mir meine Chaberim im Großen Rat. Ich werde zu Tode gelangweilt von ihren Streitigkeiten über die Reinigung und ihre Wortwechsel über neue Halaken, die kein Ende nehmen wollen. Diese Dinge werden mir von Tag zu Tag gleichgültiger. Man kann ein Leben lang alle Vorschriften möglichst sorgfältig einhalten und dafür doch nichts bekommen Warum fiel diese Krankheit gerade sie an? Das ganze Gesetz ist in diesen Psalmworten zusammengefaßt: «Tue, o Mensch, was der Allerhöchste zu tun gebietet und er wird dich nie verlassen.» Nie Es gibt nicht viele Menschen, die so anhaltend wie ich gefastet, auf die Reinigung geachtet, Opfer dargebracht, Halaken und Haggaden betrachtet haben. Etwas stimmt