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I. EINFÜHRUNG
Briefe schreiben ist wieder »in«, wie man heute zu sagen pflegt. Anders ausgedrückt: Vieles, das noch vor kurzem als altbacken, überholt oder rückständig angesehen wurde - denken wir nur an den Jugendstil - ,wird neu entdeckt, kommt wieder in Mode und ist »letzter Schrei«. Und das Briefewechseln gehört dazu.
Gerade junge Leute greifen diese schöne Gewohnheit aus vergangenen Tagen wieder auf, ohne freilich damit auch schon alle heutigen Bräuche und Spielregeln zu beherrschen, die im Umgang mit »Antiquitäten« nütz-Hch sind. Woher auch?
In der Schule wird das Briefeschreiben nicht gelehrt. Die ältere Generation, die es vielleicht noch gelernt haben könnte, hat es - telefonverwöhnt - inzwischen weitgehend vergessen und ist andererseits nicht mit den Veränderungen vertraut, die auch auf diesem Gebiet im Computer-Zeitalter eingetreten sind. Auf beiden Seiten aber besteht das Bedürfnis, über das »Ruf-doch-mal-an« hinaus, bestehende Kontakte zu vertiefen, neue anzubahnen oder verlorengegangene wieder aufzufrischen, wobei ein Rückgriff auf scheinbar unmoderne Mittel solche Vorhaben erleichtert, indem man sie als besonders zeitgemäß und hochaktuell betrachtet und benutzt. Es ist ähnlich wie mit dem Handkuß, der Visitenkarte und dem Blumenstrauß. In etwas gewandelter Form sind auch kulturelle Oldtimer durchaus gefragt.
Man nennt diese Erscheinung »Nostalgie«: ein griechisches Wort, das eigentlich Heimweh bedeutet und am treffendsten mit »Sehnsucht nach der guten alten Zeit« übersetzt wird. Dinge und Umgangsformen von einst sind aus einem gewissen Unbehagen an der Gegenwart wieder im Schwange, was.erfreulich ist.
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